Sugar Candy Mountain – „Impression“ (Album der Woche)

Bild des Albumcovers von „Impression“ von Sugar Candy Mountain, das unser ByteFM Album der Woche ist.

Sugar Candy Mountain – „Impression“ (Org Music)

Rosa glänzende Gitarrenakkorde, butterweiche Bassläufe, knusprige Drum-Fills: Die Musik von Sugar Candy Mountain ist so süß und bunt, wie ihr Bandname verspricht. Das Duo aus Oakland, Kalifornien, spielt bereits seit fast zehn Jahren eine Mischung aus farbenfroh verstrahltem Psych-Rock und tanzenden Tropicália-Grooves. Diese Mixtur kann beim ersten Eindruck mitunter ein bisschen klebrig wirken, wie inhaltsleere Retromanie. Psychedelische Musik als lahmer Selbstzweck.

Erste Eindrücke sind aber auch meistens überbewertet. Das passenderweise „Impression“ benannte vierte Sugar-Candy-Mountain-Album zeigt nämlich zwei meisterhafte Pop-Architekt*innen, die nicht nur mit viel Liebe zum Detail die Sounds der Vergangenheit nachbauen, sondern auch noch gekonnt im Hier und Jetzt verankern.

Genussvolle Psychedelia

„Impression“ beginnt mit dem gemütlichen Midtempo-Groove von „Running From Fire“ – und mit der vielleicht trockenste E-Bass des Jahres. Doch „Running With Fire“ ist mehr als nur eine beeindruckende Rhythmusgruppen-Show: Während der Bass sich in McCartney-esken Bahnen bewegt, singt Vokalistin und Gitarristin Ash Reiter mit an John Lennon erinnernder Schlitzohrigkeit. Ihre Stimme ist von einem konstanten Lächeln umgeben, bei dem man sich nie sicher ist, worüber sie da eigentlich schmunzelt.

Dieses Schmunzeln zieht sich auch durch die weiteren Songs des Albums, durch die seltsamen Akkordschleifen von „Outside In“, durch die lang nachhallenden Schluchten von „Wildcat Canyon“. Worüber hier gegrinst wird, bleibt auch hier ein Geheimnis. Auch dann, wenn aus dem Schmunzeln bei den stolpernden Strophen von „In A Flash“ ein manisches Lachen wird. Die psychedelisch verschwurbelten Texte geben auch nicht viel Aufschluss. Erst das Ende des Albums sorgt für Klarheit, in Form von „Please Don’t Look Away“, einer zeitlos schönen, herzzerreißenden Ballade. Zum Abschluss fügen Sugar Candy Mountain ihrem süßen Gemisch die richtige Prise Bitterkeit hinzu. Diese Band lacht nicht, sie genießt.

Veröffentlichung: 28. Mai 2021
Label: Org Music

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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