The Green Child – „The Green Child“ (Album der Woche)

Cover von The Green ChildThe Green Child – „The Green Child“ (Upset The Rhythm)

Im Jahr 1934 veröffentlichte der britische Poet und Anarchist Herbert Read seinen ersten und einzigen Roman: Die gleichermaßen ironische wie philosophische Fabel „The Green Child“, benannt nach den zwei mysteriösen, grünen Kindern, die den Antihelden zur Suche nach dem Sinn des Lebens animieren. Über 80 Jahre später haben zwei andere Kinder im Geiste diesen Namen übernommen: Mikey Young und Raven Mahon sind The Green Child. Gemeinsam erkunden sie mit jugendlicher Neugier die Zwischenräume zwischen melodischem Synth-Pop und verzwickter Electronica – und finden dabei zwar nicht den Sinn des Lebens, sondern acht einladende, elektronische Pop-Fabeln.

Sowohl Young als auch Mahon stammen eigentlich aus Rock-Bands: Ersterer ist Gitarrist bei den australischen Post-Punkern und Oh-Sees-Genossen Total Control, während Mahon Teil der kalifornischen Noise-Pop-Gruppe Grass Widow ist. Bei einem Konzert der beiden Bands fand das interkontinentale Duo zueinander, um gemeinsam die Stromgitarren zu vergraben und elektronische Gefilde zu erkunden.

Der erste Song „Traveler“ ist eine atmosphärische Exkursion in genau diese: Mit bedrohlichen Synth-Arpeggios, die wie orientalische Saiteninstrumente klingen, und einer sich elegant um die stumpfe Bass-Drum schlängelnden Bassline können The Green Child direkt allerlei exotische Bilder heraufbeschwören, bevor auch nur ein Wort gefallen ist. „Do you think you are alone?“, fragt Mahon wenige Minuten später, und man fühlt sich ein bisschen ertappt. Ähnlich ergeht es einem in den dichten Sphären von „Walking Distance“, wo man sich zwischen tanzenden Synthesizer-Synkopen und astralen Saxophonen auf wundervolle Art und Weise verlieren kann.

In den kürzeren Stücken flirtet das Duo deutlich mehr mit Pop-Strukturen, so wie im zwischen Stereolab und Nabihah Iqbal pendelnden „Her Majesty II“ oder in der ätherischen Ballade „Marie Elene“. Doch am besten funktioniert dieses Album in den längeren Explorationen, wenn die Synthesizer richtig atmen können und die Beats hypnotisch oszillieren. Dort merkt man The Green Child ihren Spaß an – und es ist wirklich eine Freude, mit ihnen neue Klangsphären zu erkunden.

Veröffentlichung: 12. Januar 2018
Label: Upset The Rhythm

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