Yaya Bey – „Ten Fold“ (Album der Woche)

Von ByteFM Redaktion, 13. Mai 2024

Cover des Albums „Ten Fold“ von Yaya Bey, das unser ByteFM Album der Woche ist.

Yaya Bey – „Ten Fold“ (Big Dada)

Für viele Menschen ist Selbstironie ein Mittel, um eigene Unsicherheiten zu verstecken. Yaya Bey hat keine Zeit für solche Manierlichkeiten. Gleich zu Beginn ihres dritten Studioalbums erzählt uns die New Yorker R&B-Künstlerin einen Witz, der das klarmacht. „Dо уоu wаnt tо hеаr а јоkе? / Ѕее, І gоt аll thіѕ mоnеу / Аnd І’m ѕtіll fucking brоkе.“ Der zu dem Joke gehörende Song heißt „Crying Through My Teeth“. Weinen durch zusammengebissene Zähne. Auf „Ten Fold“ wird nicht deflektiert. Es handelt sich hier um ein ehrliches Album über Wut, Schmerz, Heilung und allem, was dazwischen passiert – bei dem Bey am Ende immer mit einem Lächeln triumphiert.

Im Verlauf von „Ten Fold“ arbeitet Bey sich an vielen schwerwiegenden Themen ab. An dem Struggle mit ihrer genderqueeren Identität. Am Leben in einer von spätkapitalistischem Wahnsinn gezeichneten Stadt, in der viele ihrer Freund*innen in ständiger Angst vor der nächsten Mietzahlung leben. In „The Evidence“ klingt sie so, als würde sie unter dem ganzen Gewicht erdrückt werden: „Sometimes it feels like I won’t make it / Sometimes it feels like I can’t go“, croont sie, zwar mit glockenklarem Timbre, aber auch mit spürbarer Müdigkeit. „Not a step more, but there’s a step more.“

Humor als Praxis des Widerstands

Doch im Refrain dieses Songs singt sie auch etwas anderes, quasi das Leitmotiv dieses Albums: „I been changing under all this pressure / Into something that shines.“ Und wie sie strahlt. Yaya Beys ultraweicher R&B war schon auf ihren vorherigen Platten bemerkenswert, in smoothen Summer-Jams wie etwa „On A Pisces Moon“. Doch „Ten Fold“ ist schon rein musikalisch ihr bis dato beeindruckendstes Werk. Die 16 Songs ziehen vorbei wie im Flug: Die grundverschiedenen Instrumentals oszillieren binnen Sekunden zwischen funky Disco-Grooves („Chrysanthemums“), jazzigen House-Beats („Sir Princess Bad Bitch“) und sinnlichem R&B („East Coast Miami“) – und Beys tiefenentspannte Stimme gleitet über sie alle hinweg, als wäre es das Leichteste der Welt. Die Vibes wechseln ständig, später noch in Richtung Dub und HipHop (etwa auf „So Fantastic“, einem Song, auf dem auch ihr verstorbener Vater, der Rapper Grand Daddy I.U., zu hören ist). Doch Bey behält stets die volle Kontrolle. Und lacht.

Zu diesem Strahlen gehört auch ihr Humor. In „Chasing The Bus“ lacht sie über den oder die Ex: „You gon‘ feel it in your body / When I leave you behind to go and party“, singt sie – und streckt das letzte Wort besonders genüsslich, in ein fast schon hämisches „ay-ay-ay-ay-ay“. „Sir Princess Bad Bitch“ ist ein Song über ihre Identitätsfindung – der nicht im Selbstzweifel, sondern mit grinsendem Selbstbewusstsein endet: „How favored am I? Well let’s fuck around and find out.“ Und Humor kann auch zum Widerstand dienen: Denn auch der Bürgermeister ihrer leidenden Stadt wird zur Witzfigur, die in „Eric Adams In The Club“ lieber auf dem Dancefloor feiert, als die Anliegen der Bürger*innen ernst zu nehmen. Selbst in der größten Bitterkeit findet Yaya Bey stets die Pointe, die das alltägliche Chaos irgendwie erträglich macht.

Veröffentlichung: 10. Mai 2024
Label: Big Dada

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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