13.07.2012, Uebel & Gefährlich: Kimya Dawson erklärt ihre Liebe zum Menschen

Von Monique Schmiedl, 17. Juli 2012

Kimya Dawson, 13.07.2012, Hamburg, Uebel&Gefährlich
Ihre Stimme klingt kindlich, mehr als vier Akkorde kann sie nicht spielen – das Publikum ist trotzdem vollkommen in ihren Bann gezogen | Foto: stinka (Flickr)

48 Stunden später und noch immer hängen meine Gedanken in Dauerschleife an diesem Abend. Als würde jemand ständig Rewind drücken und mich immer wieder zurück katapultieren. Zurück in den Freitagabend, zurück ins Hamburger Uebel & Gefährlich. Zurück zu einem Konzert, das für mich einmalig und nachhaltig beeindruckend war! Kimya Dawson hat die Späthippies und Junghipster der Stadt bespielt und mich voll und ganz verzaubert.

Klar, Kimya legt es drauf an, irgendwie niedlich und süß zu sein. Ihre Texte sind von kitzeliger Ehrlichkeit und ihre Melodien haben pappsüßen Zuckergehalt. Schon die Alben sind kaum zu ertragen! Immer wieder entschwinden einem „Aahs“ und „Oohs“. Diese Frau scheint es auf den Titel „liebster, supersüßer Singer-Songwriter“ anzulegen.

Und so mutet auch der Abend an. Ein wahnsinnig verschüchtertes Menschlein betritt die Bühne, die bunt beschriebene Gitarre in der Hand, der gepunktete Rock zum gestreiften T-Shirt und eine Haarpracht, dass man das Gesicht kaum erkennen kann. Leise und grinsend haucht sie ein ‚Hey, nice to see you‘ in das Mikro und beginnt sofort zu spielen. Da sitzt sie also, ganz allein mit sich und der Gitarre, schließt beim Singen permanent die Augen, ist voll und ganz in ihre Songs vertieft und überschwemmt den Konzertsaal mit ihrer Musik.

Kimya Dawson hört sich original an wie auf Platte. Ihre Stimme klingt kindlich, mehr als vier Akkorde kann sie nicht spielen und auch die Variationsmöglichkeiten der angeschlagenen Rhythmen halten sich stark in Grenzen. Und trotzdem! Das Publikum ist vollkommen in ihren Bann gezogen, es herrscht eine wohlige Stille, grinsende Gesichter blicken auf die Bühne. Als hätte es vor dem Konzert eine gemeinsame Opium-Orgie gegeben. Alles ist in Wolken getaucht, die Atmosphäre ist in Watte eingewickelt. Und so singt die kleine Amerikanerin vor sich hin und streut ganz unaufgeregt ihre Liebesbotschaften an Kind, Familie, Freunde und die Menschheit im Allgemeinen in die Welt. Liebe! Überhaupt Liebe! Das ist das Wort des Abends. Kimya Dawson erklärt ihre Liebe zum Menschen, ihre Liebe für den Respekt voreinander, ihre Liebe fürs Queer-schwul-lesbisch-was-auch-immer-sein! Das wattegebauschte Publikum nimmt diese Liebe dankend auf, saugt jede Zeile in sich ein, versteht die Botschaften.

Überhaupt geht es an dem Abend viel um Queers und Toleranz, um die Wertschätzung des eigenen Selbst. Nicht nur Kimya Dawson, auch ihr entzückender Support Pablo Das predigt Respekt in allen Facetten, bringt immer wieder „Anderssein“ in den Fokus und fordert zu mehr Mut auf. Kimya und Pablo stehen am Ende gemeinsam auf der Bühne und lassen das Publikum tranceartig immer wieder diesen einen Satz singen: „Don’t let them say you are anything but beautiful, you need to know that you’re perfect as you are.“ Dieses Sätzchen, diese wenigen Worte fassen einen Abend zusammen, der Mut macht, so zu sein, wie man ist!

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