Olli Schulz – „Feelings Aus Der Asche“ (Rezension)

Cover des Albums „Feelings aus der Asche“ von Olli Schulz

Olli Schulz – „Feelings Aus Der Asche“ (Trocadero)

Die Generation „HalliGalli“ kennt Olli Schulz nur aus dem Fernsehen. Immer auf Krawall gebürstet präsentiert er sich dort beim Ausflug in den Heide Park oder als Charles Schulzkowski am roten Teppich und bringt mit seinem Wahnsinn selbst Joko und Klaas zum Staunen. Das macht er auch sehr gut, doch eigentlich ist Schulz Musiker. Ein toller Geschichtenerzähler mit Klampfe, der uns schon seit vielen Jahren mit seiner Kunst erfreut. Und genau auf diese Aufgabe konzentriert er sich jetzt wieder voll und ganz.

Gerade ist „Feelings Aus Der Asche“ erschienen, das sechste Album des in Berlin lebenden Vollblut-Hamburgers. Wer erwartet, dass Schulz die Gag-Kanone wieder voll durchgeladen hat, wird enttäuscht. Auch mit seinen vorherigen Liedermacheralben hat „Feelings Aus Der Asche“ weniger gemein. Schulz gibt nicht mehr den einsamen Streiter an der Gitarre, den Anekdotenkönig mit den bissigen Alltagsbeobachtungen. Der 40-Jährige widmet sich nun dem Bandsound.

Erneut mit dabei im Berliner Hansa Studio waren Drummer Ben Lauber und Arne Augustin an den Tasten. Ein neuer Mitstreiter ist Gisbert zu Knyphausen, der den Bass bedient und in den Songs „Kinder Der Sonne“ und „Mann Im Regen“ auch gesanglich auf den Plan tritt. Diese Konstellation hat zur Folge, dass die Musik von Olli Schulz voller klingt und doch ihre unverkennbare Note behält. Den extrovertierten TV-Schulz sucht man vergebens, ruhige Klänge und nachdenkliche Texte nehmen viel Raum ein.

„Feelings Aus Der Asche“ hat alles, was den Musiker Olli Schulz so großartig macht. Den nimmermüden Musikliebhaber („Als Musik Noch Richtig Groß War“) und den rastlosen Geist auf der Suche nach seinem Platz in der Welt („Boogieman“). Und auch sein TV-Engagement reflektiert Schulz in „Passt schon!“ mit der ihm typischen Selbstironie und den zielgenauen Spitzen. Für die Musik findet Schulz zum Glück noch immer Zeit.

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Popshot
    Jan 16, 2015 Reply

    Super, dass hier „Boogieman“ erwähnt wird. Gefällt mir auch sehr gut. Habe in meinem Artikel auch was zu den Lyrics geschrieben: http://popshot.over-blog.de/2015/01/olli-schulz-feelings-aus-der-asche.html

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