Neue Platten: Dub Syndicate – „Hard Food“

Von Karsten Frehe, 14. Januar 2015

Cover des Albums Hard Food von Dub SyndicateDub Syndicate – „Hard Food“ (Echo Beach)

8,2

Lincoln „Style“ Scott wurde am 9. Oktober 2014 gewaltsam aus dem Leben gerissen. Die Umstände des Mordes in seinem Haus auf Jamaika sind bislang noch nicht publik. Mit Style Scott starb einer der einflussreichsten Reggae-Schlagzeuger überhaupt. Anfang bis Mitte der 80er-Jahre dominierte sein Schlagzeugspiel als Mitglied der Roots Radics den Reggae. Namhafte Größen wie Gregory Isaacs, Barrington Levy und Bunny Wailer nahmen mit der Band auf und schufen so Hit an Hit. Später verbrachte Style Scott mehr Zeit in England, spielte bei Creation Rebel und gründete zusammen mit Adrian Sherwood (dem Kopf des On-U-Sound-Labels) Dub Syndicate. Gemeinsam leisteten sie ihren Beitrag zu dem, was man vielleicht am besten mit „modernem Dub“ beschreiben kann. Style Scott prägte den Sound der Band mit seinem präzisen und zugleich trägen Drumbeat. Den zweiten wichtigen Part in Sachen Klang übernahm Flabba Holt am Bass, der zuvor mit Künstlern wie Israel Vibration, Prince Far I und Don Carlos zusammengearbeitet hatte. Adrian Sherwood war für den Mix und die Dubelemente verantwortlich. Nach dem Album „No Bed Of Roses“ (2004), dem bis dato letzten regulären Studioalbum, wurde es allerdings deutlich ruhiger um das Projekt.

Bis jetzt! Denn Style Scott hat im letzten Jahr nach der langen Pause wieder ein Dub-Syndicate-Album produziert. Die Veröffentlichung auf dem Label Echo Beach aus Hamburg erlebt er leider nicht mehr.

Auf „Hard Food“ begegnen einem viele alte Bekannte: Neben dem eben beschriebenen Trio aus Style, Flabba und Adrian sind es vor allem die Veteranen U-Roy, Bunny Wailer und Lee „Scratch“ Perry, die jeden Fan aufhorchen lassen werden. Mit ihren unverwechselbaren Stimmen kreieren sie die drei schönsten Titel des Albums: „Dub Is All I Got“, „Bless My Soul“ und „Jah Wise“. Neben ihnen treten mit Sangie und Magma auch unbekanntere Künstler vor das Mikrofon und leisten ihren Beitrag zum finalen Werk von Dub Syndicate.

Von insgesamt 14 Tracks warten allerdings nur vier mit Gesang auf, wobei man Perrys Beitrag kaum als solchen bezeichnen kann, der Rest ist purer Dub. Und der kommt sehr frisch um die Ecke! Style Scott und seine Mitstreiter knüpfen mit „Hard Food“ nahtlos an „No Bed Of Roses“ an – ganz so, als ob zwischen beiden Alben nicht 10 Jahre vergangen wären. Bei „Gypsy Magic“ überrascht uns der Produzent sogar mit dem virtuos gespielten Cello von Ivan „Celloman“ Hussey. Dieses Instrument trifft man im Dub/Reggae eigentlich nie an.

Kurzum: Style Scott setzt sowohl sich als auch Dub Syndicate mit „Hard Food“ ein mehr als würdiges Denkmal.

Label: Echo Beach
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