Selbstbewusste Geständnisse: „Im Feld“ von Isabelle Pabst (Videopremiere)

Foto der Sängerin und Songwriterin Isabelle Pabst, deren Musikvideo zur Single „Im Feld“ Premiere im ByteFM Blog hat.

Isabelle Pabst hat mit „Im Feld“ die erste Single ihres Debütalbums veröffentlicht (Foto: Marcus Engler)

Wir beginnen heute mal mit einem Exkurs in das Reich der Etymologie: Der Name Sonja stammt aus dem Russischen und ist eine Koseform von Sophia, bedeutet aber auch so viel wie „die Träumende“ oder „Träumerin“. Ein Mensch mit Fantasie und Vorstellungskraft also, der eventuell auch zu inspirieren vermag – und vielleicht auch zu verführen. So ähnlich berichtet es die Kölner Musikerin Isabelle Pabst im Liedtext zu ihrem Stück „Im Feld“. Ein Song, in dem sie ohne jede Reue in herausforderndem Ton gesteht „Ich lag mit Sonja im Feld, es fühlte sich gut an, ich wollte das tun, auch wenn’s Dir nicht gefällt“ – ein „deal with it“ ist hier klar impliziert, und als Adressat*in dieser Worte stellt sich schon die Frage, wie man den Ausflug mit angedeutetem Seitensprung nun finden soll.

Zwischen Angst und Lust

Ganz klar ist das nämlich nicht, denn die fein-dichte Komposition mit dem ASMR-artig direkt das Ohr kitzelnden Gesang löst dabei eher uneindeutige Gefühle aus. Es spielen noch mit: ein leicht bedrohlich fließender Tiefbass, verwunschene Melodik und verzerrte Stimmen im Hintergrund. Spannung herrscht hier allemal, eine Art erotisch aufgeladener Schwebezustand, der sich nicht festlegt, ob er nun mit Angst oder Lust enger verwandt ist. Klar ist hingegen: Mit Pabsts Geständnis ist die Katze aus dem Sack und die Auflehnung unübersehbar. Sogar im politischen Sinn. „Im Wind wehte frech überm Malvenzweig so harmlos und leise ihr Kleid / Es hängt dort als Flagge, verheißt Rebellion einer heimlichen Zweisamkeit.“

Temporaler Schwebezustand

Was geschehen ist, ist geschehen, und die Zeit zurückdrehen ist bekanntlich nicht möglich. Wobei das Musikvideo zu „Im Feld“ hier einen subtilen Kontrapunkt findet. Hollywood-Regisseur Christopher Nolan hätte sicher seine Freude daran: Der Clip zeigt Isabelle Pabst, wie sie durchs Feld wandert, allerdings scheinen Fließrichtung und -tempo der Zeit hier nie recht zu stimmen. Es wirkt, als ginge sie rückwärts, während sie doch eigentlich näher kommt. Ein Widerspruch, der auf die Essenz der sozialen Situation „Seitensprung gestehen“ zu verweisen scheint: eine intime Enthüllung, die in ihrer Offenheit von Nähe zeugt, obwohl sie eine gewisse Distanzierung voraussetzt oder – gewollt oder nicht – mit ihr droht. Ein explosiver Moment, der eigentlich kurz ist, aber doch eine Ewigkeit dauert. Oder viereinhalb fantastisch klingende Minuten.

„Im Feld“ ist die erste Single von Pabsts Debütalbum „Als die Stille aus der Zeit fiel“, an dem die Musikerin ganze fünf Jahre gearbeitet hat. Der Longplayer erscheint am 13. Oktober 2023. Am 7. September 2023 ist sie zudem live in Berlin im Schokoladen zu sehen, als Support von Hendrik Otremba – präsentiert von ByteFM.

Hier könnt Ihr Euch das Video zu „Im Feld“ anschauen, das heute Premiere im ByteFM Blog feiert:

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