Konzertbericht: The Kills in Berlin

Eine Woche nach der Veröffentlichung ihres vierten Studioalbums „Blood Pressures“ traten The Kills am Freitag im Berliner Veranstaltungstempel Huxleys Neue Welt auf. Alison Mosshart alias VV, Sängerin und Gitarristin der Band, und Jamie Hince alias Hotel, in der selben Funktion, betraten die Bühne mit einem knappen „Hello“ und „Good evening“.

Viel mehr war den beiden im Laufe des Auftritts nicht zu entlocken. Überraschend war bei diesem Konzert die Setlist, die Songs aus allen vier Alben umfasste und nicht nur das neuste Werk an den Mann bringen wollte. „No Wow“ vom gleichbetitelten zweiten Album wurde als Opener dargebracht und zog sogleich ein Energiefeld zwischen Mosshart und Hince.
Diese Spannung sollte das gesamte Konzert über bestehen bleiben.

Die gegenseitige Annäherung und die darauf folgende Zurückweisung der beiden auf der Bühne kennzeichnen seit jeher ihre Live-Shows. Dabei bewegt sich VV wie ein Katze, schleicht und kreischt, kratzt und spuckt ihre Texte heraus, sucht Hotels Nähe und zieht sich gleich wieder auf ihre Seite der Bühne zurück. Vor allem durch diese Machtspielchen hielt sich bis zu Hinces Verlobung mit Kate Moss hartnäckig das Gerücht, zwischen den beiden Kills liefe mehr als eine musikalische Freundschaft. Musiker-Gossip hat natürlich nichts mit dem tatsächlichen künstlerischen Schaffen zu tun, aber die The Kills spielen stark mit dem Bild eines Pärchens, das nicht von einander lassen kann und sich dabei immer wieder in die Haare kriegt.

Als sich Mosshart und Hince bei „Kissy Kissy“ von ihrem ersten Album „Keep On Your Mean Side“ am Mikro gegenüberstehen, hebt Hince die Gitarre wie ein Gewehr im Anschlag und zielt auf seine Bühnenpartnerin. „I’m gonna stab your kissy kissy heart“ singt diese unbeirrt weiter und umkreist ihn lasziv mit weiten Schritten. Dass die Gitarre für Hince fast schon eine Waffe ist, beweist sein akzentuiertes, hartes Spielen von einer spärlichen Riff-Abfolge, die kennzeichnend für den Sound der Kills ist. Nur kein Akkord zu viel, nur kein Verfangen in harmonischen Melodien. Er schießt den Rhythmus geradezu ins Publikum und zuckt dabei selbst wie erschrocken zusammen.

Mossharts Stärke ist ihre volle, starke Stimme, die insbesondere in den ruhigeren Stücken zur Geltung kommt, wenn sich die Gelegenheit ergibt, ihre Energie einzig darauf zu konzentrieren.

Als Zugabe, um die sie das Publikum lange bitten musste, singt VV die Ballade „Last Goodbye“, die auf dem aktuellen Album zu hören ist. Dabei erklingt von der kleinen Soundmachine auch eine Unterlegung durch Streicher, was für die bisherigen Stücke der Kills untypisch ist. Es wird in dem Moment auch etwas zu viel des Pathos und es zeigt sich, was das neue Album von den vorangegangen unterscheidet: The Kills setzten schon seit dem letzten Album „Midnight Boom“ mehr auf zugänglichere Melodien, glattere Produktionen und haben ihren kompromisslos harten Songs wie „Fuck The People“ oder „Fried My Little Brains“ den Rücken zugewandt. Das neue Album ist nicht weniger rockig und spartanisch eingespielt, es klingt nur offener und weicher.

Diese Entwicklung schadet den beiden aber nicht, man wird ja auch nicht jünger. Ihre Bühnenshow ist heiß, The Kills vertreten einen unkonventionellen Rock’n’Roll und werden mit „Blood Pressures“ sicherlich am Ende des Jahres in den einschlägigen Best-of-Polls vertreten sein.

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