Mondkopf

Dass dem erst 23-jährigen Paul Régimbeau alias Mondkopf gut und gerne ein starker Hang zur Epik attestiert wird, ist bei Beatverwicklungen, die mindestens als „crunchy“ bezeichnet werden müssen, nicht weiter verwunderlich, jedoch nicht ausreichend um seine Fähigkeiten als Klangproduzent und –virtuose zu beschreiben.

Mondkopf, so Régimbeaus unkonventioneller Künstlername, ist Franzose, kommt nicht aus der überlaufenen Szene-Stadt Paris (wohnt aber mittlerweile dort), sondern aus Toulouse, einer kleineren, nichtsdestoweniger großen Stadt im Süden des Landes.

Was seine Musik auszeichnet, ist ein Zusammenspiel aus Energie, Asphalt und Schweiß, eine Fusion aus verschiedensten übereinandergelegten Sounds, gepaart mit gleichzeitig brettharten, als auch angenehm wirkenden Beats, die sich wie eine Horde Kinder ineinander verlieren, winden und drehen, nur um direkt darauf eine neue Achse des Klangbildes zu durchbrechen. Die vehemente Suche nach Druck. Druck, der sich deutlich an den Songs der Berliner Gernot Bronsert und Sebastian Szary, alias Modeselektor, orientiert, aber eben nicht darauf fixiert ist.


Mondkopf – „Valse Dans L’ombre“


Mondkopf – „Ave Maria“

Das Debütalbum von Mondkopf heißt „Galaxy of Nowhere“ (erschienen auf Asphalt Duchess) und beginnt mit dem eben schon bildlich angesprochenen Treiben, das auf vielen Spielplätzen und Schulhöfen seh- und hörbar ist. Der Anfang schlängelt sich nahtlos zu den hervorstechenden Songs „La Dame En Bleu“ und „Libera Me“, die ihren Platz auf den Tanzflächen dieser Welt finden werden. Im Mittelteil entfernt sich Régimbeau vom Kanon der Platte und macht mit „Speaking With The Noise“ genau das, was man vom Titel erwartet. Eine Klang-Dusche aus warmen und fließenden Sounds, die sich auf jeder M83 Platte wohlfühlen würde.

Das darauffolgende „Music For My Room“ dient seinerseits als Intro zum nervenaufreibendem Song „Valse Dans L’ombre“, frei übersetzt „Walzer durch die Nacht“, das sich wie fast alle Songs der Platte immer mehr zuspitzt und mit Tremolo spielenden Streicherelementen für eine epochale, gar sakral wirkende Atmosphäre sorgt. Im zweiten Teil von „Ave Maria“ verliert sich das Album gänzlich in kirchlich-choraler Klang-Metaphorik und endet schließlich so wie es beginnt: mit Schulhof-Romantik.

„Galaxy Of Nowhere“ ist die musikalische Manifestierung eines wilden um sich selbst windenden Tieres, das jegliche Formen der Existenz hinter sich gelassen hat.



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