Neue Platten: Hot Chip – „Why Make Sense?“

Cover des Albums Why Make Sense? von Hot ChipHot Chip – „Why Make Sense?“ (Domino)

Ab sofort liefert ByteFM eine wöchentliche Kolumne für die Szene Hamburg. Unsere erste Schreiberin hierfür ist Monique Schmiedl. In der ersten Ausgabe beschäftigt sie sich mit dem neuen Album von Hot Chip.

Es wird mal so richtig Zeit für was Neues! Stadt nervt, Leute nerven, Job nervt, Alltag nervt, nach Winter kommt Frühling kommt Sommer kommt Herbst kommt Winter. Immer das Gleiche. Was bleibt? Wegziehen. Umwälzen. Das Leben ändern. Neu anfangen. Gut, vielleicht ein bisschen hoch gegriffen. Dann also das, was in solchen Phasen immer hilft: neue Musik hören. Könnte ja sogar mal was Überraschendes dabei sein. Ja, okay, wahrscheinlich ist die Wahl der neuen Hot Chip bei momentaner Stimmungslage nicht die smarteste. Denn, geben wir es zu: Wenn Hot Chip jetzt total neu und anders klängen, dann wäre das auch richtig Mist. Schließlich ist der Sound der Elektro-Musiker genau das, was jetzt gewünscht ist.

Hot Chips „Why Make Sense?“ also. Kurz die Fakten durchgegangen: sechstes Album, das erste Mal live im Studio eingespielt und nicht am Computer zusammengebaut, Band seit 15 Jahren im Geschäft.

Einmal also wie immer: Musik in die Anlage, Lautstärke hochgedreht, an den Schreibtisch gesetzt, zugehört, aufgeschrieben. Hmm, eigentlich … Nö. Kopfhörer auf und raus! Erst mal hören, geschrieben werden kann immer noch. Raus in diese altbekannte Stadt mit ihren altbekannten Menschen und ihrem ewig gleichbleibenden Habitus.

Hot Chip klingen derweil mit „Why Make Sense?“ an – ein Glück, alles klingt wie immer! Das Quintett in gewohnter Beständigkeit. Ein härterer Grundbeat mit verzerrten Stimmen und seichten Vocals, unaufgeregte Songstrukturen gepaart mit dauerhafter Move-It-Attitüde. Nö, neu ist das nicht. Aber es hebt die Stimmung und lenkt ab.

Aus versehen wird eh der Weg gegangen, der immer gegangen wird. Aber irgendwas ist anders. Der einverleibte Stadtteil wirkt frischer, weniger anstrengend und grummelig. Der Blick wandert mehr, die Augen sind offener für Neues. Seit wann sind da Balkons an dem Haus? Und wieso sehen die Menschen heute so anders aus?

Hot Chip machen unterdessen weiterhin das, was sie schon immer mit Bravour tun: Sie spielen mit Genreschnipseln. Hier taucht ein Rap-Part auf, da klingt ein R’n’B-Beat an und ab und zu findet sich gar ein Schlagzeug-Einsatz. Und immer wieder diese Funk-Couleur. Die Musiker aus Großbritannien lassen Funk und Elektronik so dermaßen unangestrengt miteinander spielen, dass es fast nicht jugendfrei ist. Knüller. Wirklich wahr.

Aber jetzt mal ehrlich: Irgendwas ist anders heute. Warum nervt das alles nicht mehr so doll? Wo kommen diese neuen Eindrücke plötzlich her? Wann war die Liebe zum Stadtteil und seinen Menschen das letzte mal so, sagen wir, wachsend? Ja, ja. Ist schon klar. Wegen der Musik auf den Ohren. Wegen dem selbstgewählten Soundtrack zur Umgebung. Sollte Hot Chips Beständigkeit etwa die nervige Routine geohrfeigt haben? Vermutlich. Na dann: Danke, die Herren. So und nicht anders muss das sein.

Label: Domino
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