Neue Platten: Loved Ones – "The Merry Monarch"

Loved Ones - The Merry Monarch (Baltic Sub)Loved Ones – „The Merry Monarch“ (Baltic Sub)

8,1

Es klickert und klackert permanent. Unruhig und aufgekratzt, fast schon nervös. Mal ist es das Schlagzeug, mal ist es der Synthesizer, mal ist es die Percussion-Abteilung. Und das Ganze nicht irgendwo im Hintergrund, sondern dominant neben den anderen Klängen. Selbst das Piano macht mit bei diesem Spiel. Die Liverpooler Band Loved Ones ist vermutlich die zurzeit perkussivste und gleichzeitig poppigste der britischen Insel und nimmt damit interessanterweise einen Faden wieder auf, der mit dem Ende von Bands wie den hierzulande leider allzu übersehenen New Fast Automatic Daffodils Mitte der 90er-Jahre irgendwo fallen gelassen wurde und um den sich danach niemand so richtig gekümmert hat. Ebenso viel haben die Loved Ones, die von Nik Glover und Rich Hurst gegründet wurden und zu denen später Jay Freeman am Bass und der Multi-Instrumentalist Ben Shooter stießen, aber sicherlich aus der Dance-Musik britischer Prägung gelernt, von Rave bis Dubstep, aber eben vor allem als Produktionsprinzip. Es ist die Kombination aus Pop und Folk, die die Musik des Quartetts so eingängig und unwiderstehlich macht, dass sie zu den großen Hoffnungen auf der an Hoffnungen nicht gerade armen Insel gezählt wird. Und das ausnahmsweise mal vollkommen zu Recht.

Als die erste Single „Are You Hiding Out In Hell?“ Ende des Jahres 2011 erschien, wurde sie durch alle Musik-Blogs und Zeitschriften gereicht. Im April des vergangenen Jahres erhielten Loved Ones dann den Liverpooler GIT Award als beste Band der Stadt. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie ihr Debütalbum bereits fertig aufgenommen und erste Stimmen schwärmten vom Sound der Platte. Die einzigen, die damit nicht zufrieden waren, war die Band selbst. Sie machten sich wieder und wieder an die Überarbeitung der Produktion, warfen zwei Stücke wieder runter und legten nach insgesamt 18-monatiger Gesamtbearbeitungszeit erst jetzt „The Merry Monarch“ vor.

Und jeder, wirklich jeder Song darauf ist ein kleiner Hit für sich, der das Zeug zu Großem hat. Die Band versteht es exzellent, ihrem wunderbar einschmeichelnden Pop genau die Dosis Experimentalität und Wagemut zu verpassen, um nach vielen Seiten anschlussfähig zu sein. Sie sind nicht so abgedreht wie die Beta Band, nicht so Singer-Songwriter-mäßig wie Gruff Rhys, nicht so psychedelisch wie die Phantom Band und nicht so verspielt wie Found. Sie sind von alldem ein bisschen und doch viel mehr. Aber vor allem haben sie ein Händchen für catchy Songs mit einem ordentlichen Anteil Melancholie, die fast schon eine bitterschöne Traurigkeit ist. Wenn es in „Paper Crown“ heißt: „It’s your birthday, we’ll do anything you like, but if you want to, put on your paper crown“, dann ist das ein Geburtstagsständchen der zweifelhaften Art. Wenn es heißt: „Weekends are ours, darling, we can do whatever“, dann ist das nicht der Auftakt zu Ausschweifungen irgendwelcher Art (und das Video zu dem Stück lässt eher eine Atmosphäre wie im Blair Witch Project aufkommen). Und „All Your Cry“ ist eine Hommage an Mark Sandman, den mit 46 Jahren an einem Herzinfarkt auf der Bühne verstorbenen Sänger und Bassisten der amerikanischen Band Morphine – eine Band, die auch als Referenz hier erwähnt werden könnte, wenn die Musik der Loved Ones nicht so typisch britisch harmonieverbreitend wäre. Und großartig.

Label: Baltic Sub | Kaufen

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