Neue Platten: The xx – "Coexist"

Von susanneschuett, 10. September 2012

Young Turks/Beggars GroupYoung Turks/Beggars Group

6,5

Geschlagene drei Jahre haben The xx ihre Fangemeinde auf den Nachfolger ihres bahnbrechenden Debüts warten lassen. Und wie alle Bands vor ihnen, mussten sie sich nach ihrem erfolgreichen Eintritt in die kommerzielle Musikwelt die Frage stellen: „Was kommt als nächstes?“ Dabei sei denjenigen mit Angst vor großen Veränderungen gesagt, dass The xx ihrem Stil in fast allen Punkten treu geblieben sind. Erneut schufen Oliver Sim, Romy Madley Croft und Jamie Smith eine große und emotionale Platte, die sich ein weiteres Mal dem Thema Herzschmerz verschreibt und uns, wie schon bei ihrem Erstlingswerk, mit Tränen in den Augen zurücklässt.

Mit welcher Intensität und Intimität uns das Gesangs-Duo Sim und Madley Croft in ihre ganz private Liebeswelt versetzen können, wird bereits bei der ersten Singleauskopplung „Angels“ deutlich. Diese wird im Gegensatz zum restlichen Song-Repertoire des Albums alleinig von Romys Stimme getragen. Meist hören wir allerdings, wie die zwei sich im Echo durch das Album singen, niemals zu einem richtigen Duett vereint, welches uns den schönen Eindruck vermittelt, dass beide über die selbe traurige Geschichte erzählen, aber eben in ihrer ganz eigenen Version. Musikalisch werden ein Großteil der Songs auf „Coexist“ definiert durch gewohnt minimalistische Sounds, welche immer wieder von gezielt gesetzten Pausen unterbrochen werden. Diese geben den reduzierten Gitarren-Lines, den distanzierten Pianoklängen und den sanften Stimmen von Romy und Oliver eine größere Gewichtung.

Für jene aber, die sich nach einer bedeutenden Neuausrichtung des Londoner Trios gesehnt hatten, bedeutet „Coexist“ wohl, dass sie sich bis zur nächsten Platte gedulden müssen. Mit ihrem zweiten Longplayer knüpfen Oliver, Jamie und Romy fast nahtlos an ihr durchschlagendes Debüt an: reduzierte Beats, gehauchte, sanfte Stimmen und Texte, die sich vornehmlich mit den Leiden der Liebe beschäftigen. Lediglich die House-Elemente inklusive tanzbarer Beats und ein gereifteres Songwriting deuten auf eine Weiterentwicklung in den letzten drei Jahren hin.

Nach elf Songs und knapp 38 Minuten freut man sich über eine weitere gute Indie-Pop-Platte im Schrank und ist ein bisschen traurig über den Eindruck, dass kommerzieller Erfolg wohl einige unserer Lieblingsmusiker so zu paralysieren scheint, dass diesen wohl letztlich der Mut fehlte, ein bisschen weiterzugehen.

Label: Young Turks/Beggars Group | Kaufen

Das könnte Dich auch interessieren:

  • European Talent Exchange: eine Bühne für Newcomer*innen aus Europa
    Das Förderprogramm European Talent Exchange hat bereits Künstler*innen wie The xx, Rosalía oder James Blake den Weg zum internationalen Durchbruch geebnet. Auch im kommenden Jahr haben wieder zahlreiche Newcomer*innen die Chance, an zahlreiche Partner-Festivals vermittelt zu werden....
  • Sufjan Stevens – „Carrie & Lowell“ (Album der Woche)
    "Carrie & Lowell" ist schwere Kost, instrumentiert mit einer beeindruckenden Leichtigkeit. Dunkelheit und Hoffnung stehen hier nah beieinander. Nur begleitet von Akustikgitarre, Banjo und manchmal Klavier, singt Sufjan Stevens ruhig und sanft von Tod, Schmerz, und Trauer und erinnert dabei an Nick Drake und Elliott Smith....
  • DJ Koze – „Amygdala“ (Album der Woche)
    "Amygdala" klingt trotz aller Vielschichtigkeit, allen Verdrehungen und geschickt eingesetzten klanglichen Verhaspelungen sehr homogen. Maestro Koze gibt uns 13 Tracks an die Hand, mit denen sowohl Tage als auch Nächte ein ganzes Stück geschmeidiger durchlebt werden können. Unser Album der Woche....


Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert