„Rescue Me“: Zum fünften Todestag von Fontella Bass

Foto von Fontella BassKämpfte lange um Anerkennung: die US-amerikanische Soulsängerin Fontella Bass (Foto: Universal Music)

Am 26. Dezember 2012 ist Fontella Bass an einem Herzinfarkt gestorben. Die US-amerikanische Sängerin des Erfolgssongs „Rescue Me“ gilt als eines der größten One-Hit-Wonders des R&B – und war eine der unterschätzten Soul-Diven ihrer Zeit.

Fontella Marie Bass wurde am 3. Juli 1940 in St. Louis, Missouri geboren. Ihre Mutter Martha war eine erfolgreiche Gospel-Sängerin. Bass war bereits als Kind extrem musikalisch: Im Alter von fünf Jahren konnte sie ihre Großmutter bei Auftritten in der Kirche am Klavier begleiten, mit neun Jahren nahm ihre Mutter sie als Pianistin auf Tournee mit. Auch Bass‘ professionelle Karriere begann an den Tasten, als Begleitmusikerin für den Blues-Gitarristen und Sänger Little Milton. Als dieser bei einem Auftritt ausfiel sprang Bass spontan als Sängerin ein – nur wenige Monate später nahm sie ihre erste Single „My Good Loving“ mit Ike Turner auf.

Zwei Jahre später, im Jahr 1965, hatte Fontella Bass ihren größten Hit: „Rescue Me“, ein treibendes Stück R&B, für dessen gnadenlos gutgelaunte Rhythmusgruppe die späteren Earth-Wind-&-Fire-Mitglieder Maurice White und Louis Satterfield verantwortlich waren. Neben der unwiderstehlichen Bassline war es Bass‘ gleichermaßen selbstbewusste wie verletzliche Performance, die „Rescue Me“ zu einer kleinen Sensation machte.

Die Single verkaufte sich über eine Millionen Mal. Für Chess Records war Fontella Bass der größte Erfolg seit Chuck Berry, die Tantiemen für die Sängerin hielten sich jedoch (aufgrund eines unfair ausgehandelten Songwriting-Deals) in Grenzen. Desillusioniert vom Musikbusiness verließ Bass mit ihrem Ehemann, dem Jazz-Trompeter Lester Bowie, die USA und zog nach Paris, wo sie sich langsam aus der Öffentlichkeit zurückzog.

Viele Jahre später sollte „Rescue Me“ sie tatsächlich aus ihrem künstlerischen Tief retten: Der Song wurde Anfang der 1990er-Jahre durch einen Werbespot des Finanzunternehmens American Express erneut popularisiert – und Bass bekam zum ersten Mal seit 25 Jahren eine angemessene finanzielle Entlohnung. Seitdem spielte sie wieder Konzerte mit neuer Motivation, unter anderem mit dem World Saxophon Quartet. 2002 und 2007 lieh sie dem britischen Nu-Jazz-Projekt The Cinematic Orchestra für jeweils zwei Songs von den Alben „Every Day“ und „Ma Fleur“ ihre Stimme.

Bis zum Ende ihres Lebens musste die Sängerin noch deutlich gefährlichere Hindernisse als Tantiemen-Deals überwinden: Sie überlebte Brustkrebs, diverse Schlaganfälle und eine Bein-Amputation. Am 26. Dezember 2012 hörte Fontella Bass auf zu kämpfen. Sie war 72 Jahre alt.

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