Space-Age und Cocktails zu Kurt Weills 120. Geburtstag

Die Band Combustible Edison, die 1994 aus einem Mix von Space-Age und Cocktails ziemlich aufregende Busik strickte.

Combustible Edison

Space-Age und Cocktails: Mitte der 90er-Jahre war das noch keine omnipräsente Wohlfühlkategorie. Als sich am Anfang jener Dekade die Band Combustible Edison formierte, war der Mainstream noch ganz woanders unterwegs. Wer ein Faible für 60s-Ästhetik hatte, musste in keine obszön teure Vintage-Möbelboutique für Auskenner*innen, hatte dafür die speckige Ware selbst in Schuss zu bringen. Und auch in der Musik dauerte es ein wenig, bis Space-Age-Pop-Platten von Esquivel oder Henry Mancini fächendeckend Nostalgiegänsehaut hervorriefen. 1994 war ein ziemlich gutes Jahr, eine coole Lounge-Pop-Platte herauszubringen. Das Label Sub Pop stellte seinen Ruf als eines der kompetentesten Trüffelschweine der 90er unter Beweis und brachte Combustible Edisons Debütalbum „I, Swinger“ heraus. Inklusive einer Anleitung zu einem Cocktail mit dem Namen der Band.

Wodurch sich die Band von vielen bald den Markt überschwemmenden Lounge-Acts und -samplern unterschied, war ihre perfekte Balance. Sie stolzierte zwischen ernstem, nerdigen Forschungsgeist und witzigen Ideen und machte daraus einen samtig-verschrobenen Sound, der genau zur richtigen Zeit kam. Die Basis war Musik, die eigentlich in Soundtracks oder Bars als Hintergrundmusik taugen sollte. Combustible Edison beförderten Space-Age und Cocktails in ihrer eigentümlichen Umgewichtung auf „I, Swinger“ zum Star der Party. Nicht einmal die Band selbst konnte diese Mischung auf den beiden folgenden Alben wiederholen.

Ein Stück fällt selbst aus diesem Kuriositätenkabinett von einem Album heraus. „Surabaya Johnny“. Sängerin Liz Cox interpretiert den Kurt-Weill-Song angemessen dramatisch. In zwar kaum verständlichem, seltsam faszinierenden Deutsch. Weill hatte das Stück für „Happy End“ geschrieben. Die Komödie war sein minder erfolgreiches Dreigroschenoper-Nachfolgeprojekt mit Elisabeth Hauptmann und Bertolt Brecht. Kein Kassenschlager vielleicht, aber Songs wie „Surabaya Johnny“ gelten heute als Standards.

Der Komponist Kurt Weill wurde am 2. März 1900 geboren. Heute wäre sein 120. Geburtstag. Seine Komposition „Surabaya Johnny“ in der Version von von Combustible Edison ist heute unser Track des Tages. Hört sie Euch hier an:

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