Belle And Sebastian – „How To Solve Our Human Problems“ (Rezension)

Cover des Albums „How To Solve Our Human Problems“ von Belle And Sebastian (Matador)

Belle And Sebastian – „How To Solve Our Human Problems“ (Matador)

7,3

Mit ihrem neunten Album „Girls In Peacetime Want To Dance“ machten sich Belle And Sebastian 2015 nicht nur Freunde. Manch einer wähnte die Indie-Institution dank Disco-Anleihen auf dem Weg Richtung Eurodance und befürchtete eine völlige Abkehr vom liebgewonnenen Sound der Band aus Glasgow. Die neue EP-Kollektion „How To Solve Our Human Problems“ zerschlägt diese Befürchtungen, ist aber trotzdem vollgepackt mit kreativen Neuerungen.

Die EP-Trilogie ist im Abstand von einigen Wochen über die vergangenen Monate erschienen. Ihr dritter und letzter Part liegt nun vor. Darauf zeigt die Band um Stuart Murdoch wunderbar, wie facettenreich ihre Herangehensweise an Pop mittlerweile ist. Neben Songs, die durchaus auch aus den Anfangstagen von Belle And Sebastian stammen könnten („I’m A Pilot“, „There Is An Everlasting Song“), finden sich Ausflüge in 60er-Jangle-Pop („Sweet Dew Lee“) und 70er-Psychedelic-Rock („Show Me The Sun“) genauso wieder wie lupenreine Pop-Nummern („Best Friend“) und erneute Ausflüge in Disco-Sound („Poor Boy“).

Dass gerade bei letzterem zu spüren ist, dass man wesentlich behutsamer an die Thematik herangegangen ist, als noch bei „Girls In Peacetime Want To Dance“, lässt vermuten, dass Aufschreie aus der Ecke der Hardcore-Fans dieses Mal ausbleiben werden. Vielleicht war der Bruch zwischen den typischen Belle-And-Sebastian-Nummern und den neuen Sounds auf dem letzten Album auch einfach zu groß, um nicht den einen oder die andere zu verschrecken.

Stimmiges Gesamtpaket

Die sehr feinfühlig zusammengesetzten Stile, die sich auf der EP-Kollektion wiederfinden, führt auf jeden Fall dazu, dass die insgesamt 15 Songs als sehr stimmiges Gesamtpaket daher kommen. Die Trennung in drei EPs liegt unter anderem am Aufnahmeprozess. Denn die Songs wurden nicht an einem Stück aufgenommen und auch nicht mit einem bestimmten Produzenten in einem bestimmten Studio. Vielmehr verabredete man sich dazu, peu à peu mit einzelnen Songideen ein freies Studio aufzusuchen und einfach aufzunehmen.

Dass diese Aufnahmen zudem zum ersten Mal in über zwölf Jahren in Glasgow, also der Heimatstadt der Band, gemacht wurden ist zudem ein schöner „Zurück zu den Wurzeln“-Moment. Und zu diesem passt das EP-Konzept genauso. Denn neben den ersten Alben waren es vor allem die drei EPs „Dog On Wheels“, „Lazy Line Painter Jane“ und „3… 6… 9… Seconds Of Light“ aus dem Jahr 1997, die Belle And Sebastians Status als Indie-Heroes festigten.

Veröffentlichung: 16. Februar 2018
Label: Project: Matador

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