Lauernde Widersprüche: Tamar Aphek aus Tel Aviv

Die Band Tamar Aphek aus Tel Aviv, deren Song „Show Me Your Pretty Side“ lauernde Widersprüche behandelt.

Tamar Aphek (Foto: Rotem Lebel)

Lauernde Widersprüche verbergen sich in Tamar Apheks Single „Show Me Your Pretty Side“ an allen Ecken und Enden. Beinahe ein wenig unbehaglich ist die Atmosphäre, die das israelische Trio hier erzeugt. Die nach ihrer Sängerin benannte Band aus Tel Aviv baut ein klangliches Labyrinth aus Gitarren mit Country-Twang und Garage-Rock-Rauheit. Mit langen Hall-Fahnen wie Nebelschwaden, durch die ein Jazz-Saxofon dringt. Trotz der Instrumentierung und eines schleichenden Tempos wohnt „Show Me Your Pretty Side“ zugleich eine bedrohliche Entschlossenheit inne. „Bedrohlich“ unter anderem, weil der Text des Songs eigentlich ein Zwiegespräch ist, in dem beide Seiten mit derselben Unnachgiebigkeit aneinander vorbeireden. Und überall unaufgelöste Spannungen und lauernde Widersprüche. Musikalisch wie textlich.

Tamar Aphek, die Sängerin, hatte eigentlich klassisches Klavier gelernt. Erst als sie zum Wehrdienst eingezogen wurde, entdeckte sie bei der Armee ihre Liebe zur sehr unmilitärischen Jazz-Musik. Die Inspiration für den Text zu „Show Me Your Pretty Side“ lieferte ihr Martin Luther Kings Nobelpreisrede, und zwar eine Passage, in der es um den Widerstreit spiritueller und materieller Bedürfnisse geht. In ihrem Song manifestiert sich das als innerer Dialog, von dem sie glaubt, dass er sich so oder ähnlich bei allen Menschen abspielt. Manche mögen das „Engelchen und Teufelchen“ nennen; Aphek bezeichnet es als „Guter-Cop-böser-Cop“-Prinzip.

Das Album „All Bets Are Off“ von Tamar Aphek erscheint am 29. Januar 2021 bei Exag‘ / Kill Rock Stars. Der vorab veröffentlichte Song „Show Me Your Pretty Side“ ist heute unser Track des Tages. Hört und seht ihn Euch hier an:

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