Neue Platten: Fat Freddy’s Drop – "Blackbird"

Fat Freddy’s Drop - Blackbird (The Drop)Fat Freddy’s Drop – „Blackbird“ (The Drop)

5,5

Die Musik von Fat Freddy’s Drop ist schwer in Worte zu fassen. Es ist eine Mischung aus eher unbeschwerten Klängen, karibisch angehaucht, erzeugt von Keyboard, Gitarre, drei Bläsern und einem DJ, gemischt mit melancholischem Gesang. Bildlich gesprochen klingt das aktuelle Album „Blackbird“ nicht nach Sonne und Strand, sondern nach einem Beach Club bei Nacht.

Der Veröffentlichungstermin zum Sommerbeginn und auch der Album-Opener „Blackbird“ waren die richtige Wahl. Das Stück bereitet den Hörer auf den Ton des Albums vor: eine Mischung aus Reggae, Soul, Blues, Jazz und etwas Dub. Eigentlich gute Voraussetzungen für ein gelungenes Album. Eigentlich. Denn nach „Blackbird“ kommt leider außer „Bones“ nicht mehr viel, was mich überzeugen kann. Manche der neun Lieder sind überladen, andere klingen etwas unfertig und wieder andere sind schlichtweg in die Länge gezogen und driften ab in Beats und Dub.

Vier Jahre Arbeit an „Blackbird“ waren wohl nicht genug. Oder hatten die sieben Neuseeländer vielleicht zu viel Zeit? Auch eher unwahrscheinlich, denn sowohl ihr Debüt „Based On A True Stoy“, erschienen 2005, und dessen Nachfolger „Dr Boondigga And The Big BW“ aus dem Jahr 2009 klangen harmonischer und leidenschaftlicher und haben ähnlich viel Zeit gebraucht. Vielleicht waren Fat Freddy’s Drop während der „Blackbird“-Produktion auch einfach etwas müde nach über 400 Auftritten in Europa und 27 (!) Touren durch Australien.

Insgesamt fehlt „Blackbird“ jedenfalls eine zufriedenstellende Dramaturgie. Denn je weiter ich höre, umso mehr vermisse ich Stücke mit Seele. Sänger Joe Dukie klingt wie ein etwas glatt gebügelter Cody ChesnuTT, besonders in „Clean The House“. Das ist schön, aber auch etwas schwebend und distanziert. Und trotzdem ist seine Stimme der Grund, warum ich das Album weiter hören möchte. Noch mehr enttäuschend ist es allerdings, wenn dann in einigen Stücken anstelle von Dukies Stimme nach der Hälfte der Zeit Beats und Instrumentals die Überhand haben. „Mother Mother“ ist so ein Song. Zu Beginn klingt er angenehm nach Soul, Funk und Old School. Doch dann beginnt die Beat-Domination. Das ist nicht nur vollkommen unnötig, sondern klingt schlicht und einfach nach (überflüssigem) Remix. Ähnlich geht es auch dem Vorgänger „Never Moving“: Das Stück ist überladen und klingt nach Club-Mix. Nach so vielen Beats endet „Blackbird“ dann ohne Joe Dukie am Mikrofon. Auch das noch. „Bohannon“ ist ein belangloses Instrumental und anstatt wenigstens von Dukies souliger Stimme aus dem Album geleitet zu werden, wird einfach die Musik leiser gedreht. Das wars, Album zu Ende.

„Blackbird“ ist keinesfalls ein schlechtes Album, es hat einen satten, vielschichtigen Klang, aber weder musikalisch noch inhaltlich bleibt bei mir viel davon hängen. Um im Themenbereich des nächtlichen Beach Clubs zu bleiben: „Blackbird“ ist wie ein wässriger Cocktail. Er schmeckt zwar etwas nach Sommer, aber letztendlich lässt man die Hälfte stehen und ärgert sich, wie gut er hätte sein können, hätte der Barkeeper mehr Liebe hineingesteckt. Wer nach einer musikalischen Begleitung für die kommenden Sommernächte sucht, ist hier aber trotzdem gut bedient. Den Herbst und Winter wird „Blackbird“ allerdings nicht in meinem Player verbringen.

Label: The Drop | Kaufen

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Meister Pez
    Jun 28, 2013 Reply

    Hilfe! Selten schlechte Besprechung und das soll Musikjournalismus sein?

    Die Kritikerin hat leider überhaupt nicht verstanden, was Fat Freddy’s Drop ausmacht und für was die Band gefeiert wird.

    Typisches Beispiel von angeblicher Fan, der zwar keine Ahnung hat, aber enttäuscht ist. Bevor hier schnell und inkompetent verurteil wird, besser nochmal ordentlich reinhören und recherchieren, dann klappt es vielleicht auch mit einer fundierten Besprechung und dann bleibt auch sicher mehr „hängen“..

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