Synthesizer-Pionierin Wendy Carlos wird 80 Jahre alt

Wendy Carlos, eine der ersten Synthesizer-KomponistInnen und -EntwicklerInnen, wird heute 80 Jahre alt.

Wendy Carlos auf dem Cover ihres Albums „Secrets Of Synthesis“

Wendy Carlos hat sich vor einigen Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Viele ihrer Werke sind schwierig zu bekommen und auf den Streaming-Plattformen gibt es nur eine Handvoll ihrer Stücke. Dennoch ist sie eine der bekanntesten elektronischen Komponist*innen der Gegenwart. Dem großen Publikum ist sie vermutlich vor allem durch die Musik für Stanley Kubricks Filmklassiker „A Clockwork Orange“ (1972) und „The Shining“ (1980) bekannt. Oder durch den Soundtrack zum nicht ganz so klassischen, aber doch für viele prägenden Film „Tron“ (1980). Ältere Generationen oder BesitzerInnen von Second-Hand-Plattenläden erinnern sich noch an das zu ihrer Zeit bahnbrechende „Switched-On Bach“. Auf dem spielte Carlos 1968 und 1973 Werke des klassischen Komponisten auf dem Synthesizer. Heute, da ein Mobiltelefon mehr Rechenleistung aufbieten kann als damals ein Computer von der Größe einer gotischen Kathedrale, klingt das weit weniger aufregend als vor 50 Jahren. Aber 1968? Plötzlich konnte man Pauken blasen, Trompeten streichen und Geigen anschlagen. Es taten sich neue, aufregende Klangwelten auf, die noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung standen. Das erste „Switched-On Bach“-Album erschien in Deutschland übrigens zunächst mit dem zugleich erklärenden und verwirrenden Untertitel „Barock-Revolution oder Die seltsamen Abenteuer des J.S. Bach im Land der Elektronen“.

Rastlose Neugier

Wendy Carlos wurde am 14. November 1939 im kleinsten US-Bundestaat Rhode Island als Walter Carlos geboren. Dass der Körper eine Fehlzuordnung war, wurde ihr bereits im Alter von fünf oder sechs Jahren klar, erzählte sie später in Interviews. 1953, mit 14 Jahren, gewann Carlos für einen selbstgebauten Computer ein Stipendium. 1962 schloss Carlos das Studium mit Abschlüssen in Musik und Physik ab. Bereits während der Uni widmete sie sich der Komposition elektronischer Musik und war maßgeblich an der Entwicklung des ersten kommerziell erhältlichen Modular-Synthesizers von Robert Moog beteiligt. Etwa zur gleichen Zeit arbeitete Don Buchla mit dem Komponisten Morton Subotnick an einer ähnlichen Idee. Buchla/Subotnick waren zwar etwas früher am Start, aber der große Erfolg wurde Moog zuteil. 1972 unterzog sich Carlos einer Operation, um ihr körperliches Geschlecht anzupassen. In den 70ern und 80ern erkundete sie verschiedene Bereiche der experimentellen Musik. Auch bearbeitete Carlos weiterhin Werke klassischer Komponisten. Ihr bislang letztes Album veröffentlichte sie 1998. Ihre Website, die sie einige Jahre intensiv für die Kommunikation mit ihren Fans nutzte, wurde seit 2009 nicht mehr aktualisiert. Die Person Wendy Carlos war immer schwierig greifen. Ihre Musik aus jeder Schaffensphase bleibt faszinierend.

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    tomwaits
    Nov 14, 2019 Reply

    Danke für diesen Blog-Artikel und: Happy 80, Wendy!

    Glenn Gould hat ‚Switched-On Bach‘ 1968 eine eigene Radiosendung gewidmet – siehe und höre: http://www.openculture.com/2019/08/glenn-gould-sings-the-praises-of-the-moog-synthesizer-and-wendy-carlos-switched-on-bach.html

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