Was für ein Theater!

Da erscheint Sarrazin als Pest in Zeiten der Cholera. Schon seit letztem Montag ist diese Unglaublichkeit online, nun sind auch deutsche Medien, wie die Welt und die taz darauf aufmerksam geworden: „Moschee Baba“ (Tschüss Moschee) heißt ein Onlinegame, in dem die steirische FPÖ islamische Gotteshäuser ins Visier nimmt. Wie auch in Wien ist in der Steiermark Wahlkampf und während die rechtspopulistische Partei in der Bundeshauptstadt Sprüche wie „Mehr Mut für unser Wiener Blut“ klopft, wird in der Provinz scharf geschossen. Auf moschee-baba.at muss man, hinterlegt mit Volksmusikgedüdel, Minarette ins Visier nehmen, die aus der Grazer Stadtansicht hervorwachsen. Ist man nicht schnell genug, fangen die Muezzine zu rufen an und bei Game Over bekommt der Spieler den Hinweis, er möge am 26. Sept FPÖ wählen, damit die Steiermark nicht voller Minarette und Moscheen wird.

Dazu passt eine Theaterperformance, die in Graz aufgeführt wird. In „Das Privatleben ist ein hungriger Jäger“ der Grazer Gruppe „Zweite Liga für Kunst und Kultur“ kommen vor: eine Nazi Oma, ein afrikanischer Drogendealer, der von einer weißen Frau im Lumpendirndl gespielt wird, und ein Weingut-Manager, der einmal ein Punk gewesen sein soll. Das ist skurril und sorgt für Konfliktstoff, wie man im Standard nachlesen kann.

Mit Minarettverboten und Rassismus ist man auch in der Schweiz nicht zimperlich. Dort gibt es nun ebenso ein Theaterstück über die Schwierigkeit interkultureller Kommunikation. In „La cérémonie – eine Geisterbahn“ führen 400asa und Mitglieder des chinesischen Peng Hao Theater die Absurditäten inszenierter Kulturaustausch-Projekte vor. Das Theaterspektakel basiert auf dem Film „La cérémonie“, in dem ein Hausmädchen und dessen Freundin eine wohlbetuchte Snobfamilie mit einem Jagdgewehr massakrieren. „So viel ‚Chaschperlitheater‘ haben wir lange nicht gesehen“, schreibt die Neue Zürcher Zeitung über die blutige Persiflage.

Gemütlicher geht’s da schon beim Musiklabel Bear Family zu. Ansässig auf einem norddeutschen Bauernhof mit einem Chef, der Richard Weize heißt und vornehmlich Latzhosen trägt, versorgt es die Welt mit erlesenen Wiederveröffentlichungen. Diese mehr sind als bloße Compilations, sondern mit viel Liebe und Hintergrundinformationen versehene Zeitdokumente. Zum Aufspüren dieser musikalischen Kleinode fährt „Papa Bär“ Weize regelmäßig in die USA, um in Hinterzimmern und Archiven zu wühlen.
Anlässlich der nun erschienenen Jubelbox „35!!! Years Bear Family Records“ singt der Standard ein Hochlied auf das Label, zu dessen Kundschaft angeblich auch Bob Dylan und Lou Reed gehören.

Väter, die zur Hörerschaft beider Letztgenannten zählen, würden von jetzt.de vermutlich unter „Olle Rock-Papas“ eingeordnet. Eine von vier Kategorien in denen ergründet wird, wie der Musikgeschmack der Eltern den der Kinder beeinflusst. Interessant, was der Nachwuchs von „Lustigen Radio Mamas“, „Gemütlichen Fernsehgarten-Erzeugern“ und „Geschiedenen Klassik-Muttis und Vatis“ angeblich so hört.

Mit welcher Musik wohl Penio Daskalov aufgewachsen ist? Der 24-jährige will aussehen wie Lady Gaga – auch untenrum. Und so plant Daskalov eine Geschlechtsumwandlung, von der er sich eine Musikkarriere und sogar ein Duett mit seinem Vorbild erhofft. Dem bulgarischen Publikum ist er zumindest schon bekannt. Als Teilnehmer der Reality Show Big Brother, ließ er seine Mitbewohner im Irrglauben, er sei eine Frau. Dieser und anderer Gossip ist nachzulesen im Gigwise.

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