La Dispute – „Panorama“ (Rezension)

Cover des Albums „Panorama“ von La Dispute (Epitaph)

La Dispute – „Panorama“ (Epitaph)

7,4

Die Fulton Street im US-Staat Michigan führt nicht nur in den 4000-Seelen-Ort Lowell, sondern auch zum nächsten großen Ausrufezeichen der US-amerikanischen Post-Hardcore-Band La Dispute. Während einer Autofahrt in den Heimatort seiner Freundin bringt Sänger Jordan Dreyer mit dramatischer Untermalung seine Verlustangst und -unerfahrenheit auf den Punkt. Es geht um die vielen Verkehrstoten entlang dieser Straße.

„Panorama“ ist das bislang persönlichste Werk von La Dispute. Und das seltsamerweise zugänglichste. Dass das vierte Album des Quintetts aus Grand Rapids, Michigan, derart mitreißend ausfällt, war nach ihrem Post-Hardcore-Meilenstein „Wildlife“ (2011) und dem etwas verhaltenen Nachfolger „Rooms Of The House“ (2014) nicht zu erwarten.

Auf „Panorama“ kombiniert Frontmann und Texter Jordan Dreyer seine charakteristischen, oft morbiden Dramen mit zutiefst persönlichen Einordnungen. Die angesprochene Autofahrt entlang der Fulton Street dient als erzählerischer Rahmen. Ergänzt werden die tragischen Geschichten vom Reflektieren über seine eigene Unerfahrenheit im Umgang mit Verlust und Trauer.

Wechsel zwischen leisen Momenten und brachialen Ausbrüchen

Die Platte besticht mit seinen beeindruckenden Wechseln zwischen leisen Momenten und brachialen Ausbrüchen. Damit erzeugen La Dispute zu Beginn absolute Dauergänsehaut – etwa wenn Dreyer in „Fulton Street I“ singt: „If you need from me to be anything / I could be everything you need / Every monument, every memory / And I’ve never put flowers by the street“. Das vierte Stück „Rhodonite And Grief“ wird mit jazzigen Gitarrenparts und einem zittrigen Horn zum musikalischen Höhepunkt auf „Panorama“.

Nach den ersten unglaublich fesselnden Stücken flacht „Panorama“ jedoch etwas ab. Auch mit dem drückenden achten Song „Footsteps At The Pond“ schafft es das Album nicht mehr zurück auf das Anfangsniveau. Das liegt vor allem daran, dass der Wechsel zwischen Spoken Word und Screaming, trotz aller Emotionalität, irgendwann durchschaubar wird. Die musikalischen Schönheiten der zweiten Albumhälfte – etwa der dezente Elektro-Beat bei „In Nothern Michigan“ – sind eher versteckt und weniger offensichtlich als der überwältigende Beginn des Albums.

Insgesamt ist „Panorama“ eine mitreißende Post-Hardcore-Platte, dessen Geschichten überfordernd nahe gehen. Das Album fesselt, weil es der Band um Dreyer gelingt, ihren Frontmann zu Höchstleistungen zu treiben, wenn dieser an die Grenzen seiner musikalischen Fähigkeiten stößt. Die Highlights des Albums sind über die gesamte Länge hinweg nur leider etwas ungleich verteilt.

Veröffentlichung: 22. März 2019
Label: Epitaph

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