
K. Yoshimatsu veröffentlichte in der ersten Hälfte der 1980er circa 40 Alben auf Tape (Foto: Phantom Limb)
„Cross Silver“ ist einer von vielen, vielen Songs des japanischen Lo-Fi-Singer-Songwriters K. Yoshimatsu, die das Label Phantom Limb seit August 2024 wiederveröffentlicht hat. Damals erschien die erste Compilation „Fossil Cocoon“ mit sechs sehr unterschiedlichen, aber dennoch zusammenpassenden, alterslos klingenden Lo-Fi-Stücken. Während nach der Jahrtausendwende Leute wie Ariel Pink Aufmerksamkeit mit der Ästhetik alter Kassetten einstrichen, sind diese Stücke tatsächlich alt. 1960 in Yamaguchi geboren, gründete Koshiro Yoshimatsu als Student den Kassettentauschring The Recycle Circle. Aus diesem Kreis erwuchs unter anderem Yoshimatsus Band Juma, in der er Saiteninstrumente, Synths und Drumcomputer spielte. Musikalisch war die Band, wie auch Yoshimatsus Soloaufnahmen ab 1981, schwer einzuordnen. Folk und Psychedelia spielten für die Musik ebenso eine Rolle wie Surf und Synth-Experimente, Prog-Rock und Ambient, Rock ’n‘ Roll, Funk und Pop. All dies verschwimmt stimmig unter einem Lo-Fi-Schleier. Schwer nachvollziehbar ist mittlerweile, wie dieser spezifische Sound zustandekommt. Also, was den vermutlich einfachen Produktionsbedingungen geschuldet ist und was dem Verfall der Bänder.
Zwischen 1980 und 1985 hat Yoshimatsu um die 40 Alben unter verschiedenen Namen veröffentlicht. Und zwar auf Tape. Das war das Medium des Labels DD. Records, das 1985 nach 222 Kassetten den Betrieb einstellte. Vermutlich klangen die Songs schon damals nicht besonders poliert. So beschreibt Phantom Limb das von einem Medizinstudenten betriebene DD. Records als „Outsider-Music-Label“; die Cover waren handkopiert. Nun sind unter dem Titel „Zentai“ drei Compilations mit K. Yoshimatsus Vierspur-Heimaufnahmen erschienen, die man vorher nur, wenn überhaupt, zu Mondpreisen fand. Für die Zusammenstellung konnte der ehemalige DD-Betreiber nicht aufgespürt werden, aber Yoshimatsu, mittlerweile Filmregisseur, hatte seine Kassetten säuberlich archiviert. Nach Filmmusik klingt denn auch der erste „Zentai“-Teil am ehesten, während der dritte ganz eigene instrumentale Welten erstehen lässt. Unser Track des Tages kommt vom zweiten Teil mit 32 Stücken im Songformat. Die liebevolle Lo-Fi-Neo-60s-Psych-Nummer bildet so etwas wie den Pop-Hit der Reihe.
Die Compilation Album „Zentai: The Collected Works Of K. Yoshimatsu“ ist in drei Teilen auf dem Label Phantom Limb erschienen. Der Song „Cross Silver“ aus „Volume II“ ist heute unser Track des Tages. Hört ihn Euch hier an: