Zehn Fragen an: Oliver Korthals (Out Of Spectrum)

Foto von Oliver Korthals

Oliver Korthals (Foto: Dirk Pudwell)

Ob Deep-Funk, Soul, Latin oder HipHop – wenn ein Track irgendwas mit Jazz zu tun hat, spielt ihn Oliver Korthals sehr wahrscheinlich in seiner Sendung Out Of Spectrum. Der Moderator, DJ und Mitgründer des Hamburger Mojo Clubs präsentiert jeden Dienstag eine gleichermaßen geschmackvolle wie schweißtreibende Mischung aus verschiedensten Subgenres. Abseits des Mainstreams, diesseits des Dancefloors. Wir haben mit Oliver Korthals über den Jazz als Grundhaltung und den Stellenwert des moderierten Musikradios gesprochen – und erfahren, warum PolitikerInnen viel mehr Jazz hören sollten.

Lieber Oliver, als einer der Strippenzieher hinter dem Mojo Club bist Du tief in der Hamburger Clubkultur verwurzelt. Wie und warum hast Du den Sprung vom Club ins Radio gewagt?

„Wagen“ hat viel mit „machen können“ zu tun. Anfang 2008 war so ein Moment, als ByteFM an den Start ging. Der erste „Sprung“ ins Radio liegt allerdings schon viel länger zurück. Anfang der 90-Jahre gab es in Hamburg die Jazzwelle Plus, wo ich mit meinem damaligen DJ-Kollegen Heiko Jahnke zwei Jahre lang die Sendung The Chase produzieren konnte. Dort genossen wir jede musikalische Freiheit und dank der späten Sendezeit um 22 Uhr und der benachbarten Tankstelle auch andere Freiheiten. Eine lustige Zeit … Als ich dann Anfang 2008 endlich wieder die Möglichkeit hatte, via ByteFM Radio zu machen, habe ich sofort zugeschlagen! Vieles, was wir im Laufe der Jahre im Mojo Club gemacht haben, war geprägt von Möglichkeiten, die sich ergeben hatten und Chancen, die wir ergreifen konnten. ByteFM war erneut solche Gelegenheit. „Mitmachen“ war die konsequente Haltung dazu.

Beschreibe die Essenz Deiner Sendung Out Of Spectrum in fünf Worten:

Offen und mit Weitblick über den Tellerrand gucken! Okay, das sind mehr als fünf Worte, aber nun sind es auch schon mehr als zehn Jahre bei ByteFM.

Sowohl in der Sendung als auch in Deinen DJ-Sets ist der Jazz ein stetiges Bindeglied. Wie bist Du zum Jazz gekommen?

Zum Jazz kommt man nicht, der kommt zu einem. Das war eine steige Entwicklung mit dem, was ich gehört habe und auch eine Prägung von denen, deren Radioprogramme ich gehört habe. John Peel war zum Beispiel so einer, der auch, ohne explizit Jazz zu spielen, immer ein offenes Ohr für Anderes und Neues hatte. Anfang der Achtziger habe ich Ska, Two Tone und HipHop entdeckt, Funk und Soul als Originale der Samples kamen hinzu und dann auch schnell der Jazz.

Du nanntest Jazz mal nicht nur ein Stilmittel, sondern auch eine geistige Grundhaltung. Wie meinst Du das?

Jazz ist für mich immer eine Musik gewesen und ist es auch noch, die offen ist für andere Einflüsse – und die beeinflusst! Ich selbst bin in meiner ganzen musikalischen Sozialisation immer offen gewesen für Neues und habe dadurch im Laufe der Jahre viel entdeckt. Und ich glaube das hat viele, wenn auch nicht alle, JazzmusikerInnen vorwärts getrieben sind, sich an Dingen auszuprobieren. Vielleicht sollten mehr PolitikerInnen Jazzmusik hören …

In Zeiten von Algorithmen und automatisierten Playlisten: Wie definierst Du ganz persönlich Deine Rolle als Moderator? Welchen Stellenwert hat moderiertes Radio für Dich?

Moderiertes bzw. kuratiertes Radio ist wichtiger denn je! Wie ein gut sortierter Schallplattenladen ist auch eine Radiomoderatorin oder ein Radiomoderator ein Filter, lässt sie oder er doch den persönlichen Geschmack quasi sprechen. Aus der Vielzahl dessen, was es so an Veröffentlichungen gibt, wähle ich aus, kombiniere es und stelle im besten Fall neue Bezüge her. „Betreutes Hören“ wenn es gut gemacht ist, „subjektiv“ im
besten Sinne.

Was bedeutet ByteFM für Dich?

Viel Freiheit bei dem, was ich spielen kann. Viel Spaß, bei dem, was ich höre. Aber manchmal auch der Druck, jede Woche pünktlich abliefern zu müssen. An dieser Stelle ein großes Lob und Dankeschön an die CvDs und das gesamte Produktionsteam für ihre Geduld!

Hast Du eine Lieblingsausgabe von Out Of Spectrum bzw. eine Sendung, die Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Schwer zu sagen: Ich höre meine Sendung (fast) nie! Aber ein persönliches Faible von mir, sind die Sendungen, in denen ich ausschließlich Coverversionen spiele. Macht Spaß, Stoff dafür zu suchen und zu entdecken.

Das schönste Kompliment einer Hörerin oder eines Hörers?

Alle! Es dürften gern mehr sein. Leider ist es ja immer so, dass es eine größere Hürde ist, zu loben als seinen Frust online loszuwerden. Also liebe HörerInnen, traut Euch – zu loben!

Hast Du eine Lieblingssendung bei ByteFM bzw. eine Empfehlung?

Groovie Shizzl mit Sebastian Reier macht Spaß: sympathisches Nerdtum. Karamba mit Klaus Fiehe ist Pflicht: ein „Titan“ im deutschen Radio und ein wandelndes Musiklexikon dazu! Aber es gibt bestimmt auch noch etliche Sendungen, die ich noch nicht für mich entdeckt habe.

Was wünschst Du Dir für die Zukunft, für Dich und ByteFM?

Natürlich mehr HörerInnen – für mich und für ByteFM im Allgemeinen. Genug FördererInnen, die finanziell für eine gesunde Basis sorgen, denn Werbung gibt es ja glücklicherweise nicht. Und weiterhin ein so tolles Team, das alles am Laufen hält!

Out Of Spectrum mit Oliver Korthals hört Ihr jede Woche dienstags um 17 Uhr bei ByteFM.

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