Kramladen Zum Tod von Klaus Doldinger
Wenn ein Musiker etwa 2000 Musikstücke in seinem Werkkatalog aufzuweisen hat, dann kann man verstehen, dass es ihn auf Dauer nervt, immer nur auf eine einzige seiner Kompositionen angesprochen zu werden. „Wenn man so vielseitig ist und Unterschiedlichstes gemacht hat in seinem Leben, dann wird man nicht gerne auf ein Thema reduziert“, das sagte Klaus Doldinger 2016 in einem Interview zur Veröffentlichung seines Kompilationsalbums „Doldinger“ – und bezog sich damit natürlich auf seine Komposition des Titelthemas zur ARD-Krimiserie „Tatort“, die auch in all den Nachrufen zu seinem Tod immer wieder als Erstes genannt wird. Tatsächlich ist seine markante „Tatort“-Titelmelodie ein Stück deutscher Musikkultur, schließlich ist das Thema seit 55 Jahren zu Beginn jeder neuen Tatort-Folge zu hören.
Das Design seiner Hornbrille in Tropfenform hat er so gut wie nie verändert, die Gestaltung seiner Musik jedoch verwandelte sich im Fluss der Zeit. 1953 begann er zunächst als Pianist in der Düsseldorfer Traditional-Jazzband The Feetwarmers Dixieland zu spielen, wechselte aber bald zu seinem Hauptinstrument dem Saxofon. Mitte der 60er-Jahre begann sich Doldinger immer mehr in Richtung der populären und außereuropäischen Musik zu öffnen („Viva Brasilia“ 1965, „Sahara“ 1968, „Raga Up And Down“ 1969). Ab Ende der 1960er-Jahre hatte er erste Erfolge auch als Filmmusikkomponist. Seine bekanntesten Soundtracks schrieb er für die Filme „Das Boot“ und „Die unendliche Geschichte“.
Mit seiner 1969 gegründeten Band Motherhood begann seine erfolgreichste Ära des Rock-Jazz, mit der er auch international Anerkennung finden sollte. Aber erst seine nachfolgende Band Passport, die ab 1971 die neue, auch Fusion genannte Verbindung zwischen Modern Jazz und arriviertem Rock mit weltmusikalischen Einflüssen erprobte, prägte den Jazz-Rock in Deutschland wie keine andere Band. Kritiker verglichen die Bedeutung von Passport für die deutsche und kontinentaleuropäische Szene mit dem Einfluss von Weather Report auf die US-Szene.
Niemand in Deutschland und Europa hatte im Genre Fusion/Jazz-Rock so kontinuierlichen Erfolg wir Doldingers Passport. Er gab rund 5000 Konzerte in ca. 50 Ländern, spielte auf großen internationalen Festivals wie dem Montreux Jazz Festival und war weltweit auf Tournee, so etwa in USA, Brasilien, Asien, Marokko usw. Sein letztes, das 34. Studioalbum mit Passport von 2015 trägt den Titel „En Route“. Musikalisch unterwegs auf Reisen war Klaus Doldinger sein ganzes Leben lang.
Im Kreise seiner Familie sei er – so hieß es – am 16. Oktober 2025 friedlich eingeschlafen. Klaus Doldinger wurde 89 Jahre alt.
(Das komplette 30-minütige Interview mit Klaus Doldinger ist hier zu hören.)
(Foto: AngMoKio, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
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