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Kramladen Gerd Knebel – ein Nachruf

ByteFM: Kramladen vom 29.01.2026

Ausgabe vom 29.01.2026: Gerd Knebel – ein Nachruf

Er gehörte zu den kreativsten und produktivsten Comedians und Musikern der Republik. Sein teils anarchischer, teils provozierender Humor, seine Karikaturen von Schlappmaul-Schwätzern, hilflosen Hirnis und dabbischen Drecksäcken und seine zeitlosen Sprüche wie „Was mer hat, des hat mer – hat mer’s net, dann fehlt’s ahm“ und alle seine Badesalz-Sketche mit seinem kongenialen Partner Henni Nachtsheim sind legendär. Aber seine musikalischen Soloprojekte und -Alben blieben meist unter dem Radar der Pop- und Comedy-Öffentlichkeit. Ganz anders als in den Musikstücken der Badesalz-Shows, schlug Gerd Knebel solo die härtere Gangart an, nicht selten eine brachiale. Was für alle seine überwiegend heftig rockenden Solobands/Soloprojekte galt, war ihre relativ kurze Halbwertszeit. Nicht dass er sich schnell langweilte mit einem neuen Band-Projekt, sein unruhiger kreativer Geist trieb ihn immer weiter. Irgendwann sagte er einmal, er würde sich so gern mal auf einer Bank an einen See setzten und einfach nur den Enten zusehen. Aber in seinem Kopf würde sofort ein verrückter Ententanz einsetzen und Mengen an Ideen würden sein Hirn fluten. Das wird wohl das Geheimnis seiner ungebremsten Kreativität gewesen sein. 

Neben seinen Badesalz-Aktivitäten war er mit Solo-Bühnen-Programmen unterwegs, veröffentlichte zwei Bücher „Wörld of Drecksäck – Kleine, nette, böse, fiese, liebe Gedanken“ (2018), „Freundschaft im Abseits“ (2024) und produzierte eine Flut von Soloalben und Bandprojekten.

Los ging es 2005 mit seiner Rockband Die Groben Junggesellen, im Grunde eine Fortsetzung der hessischen Kult-Rockband Flatsch! (1979 – 1988), mit der Gerd Knebel als Sänger, Songtexter und charismatischer Frontman den Grundstein legte, für alles, was für ihn noch kommen sollte. Schon bei Flatsch! war er der irisierende Spaßvogel und drastisch-witzige Songtexter. Mit ihrer explosiven Bühnenshow zwischen Comedy und Power-Rock, absurden Sketchen und ausgefeilten Songarrangements war Flatsch! eine der einflussreichsten deutschsprachigen Rockbands aus Hessen. Mit den Flatsch-Gründungsmitgliedern Olaf Mill und Sepp’l Niemeyer hat Gerd Knebel auch in späteren Projekten noch zusammengearbeitet. 

2007 gründete er zusammen mit dem Metal-Gitarristen Aren Emirze von der Noise-Rockband Harmful die Hardrock-Band Angst vor Clowns und sang deutschsprachige Lied-Kracher wie „Metalbub“ und „Total Verrückt“. 2010 ging es weiter mit seinem Duo Die Netten Rabenväter mit Olaf Mill (Ex-Flatsch!), gefolgt 2011 von seiner Metal-Band Giftdwarf. Wie der Name, so klang auch die Musik: Giftzwergen-Metal. 
Anschließend folgte 2016 die gemäßigter rockende Produktion The Knebells, die Geschichte eine fiktiven englischen Band, die von nach England ausgewanderten Mitgliedern der deutschen Großfamilie Knebel in der Grafschaft Kent gegründet wurde. Der Frontmann Gerd Knebel sang wieder witzige, satirische, brillante Rock-Songs über „Dicke Mütter“ und „Landmädchen“. Ein großartiges Album, aber kaum jemand hörte hin. Noch weniger wurde Notiz genommen vom nächsten Knebel-Projekt Dirty Dabbes und der 2018 mit dem Rapper Mädness Döll eingespielten CD „Putzintensiv“. Anschließend gründete er das Trio Insoulin, hatte große Pläne auch mit Live-Auftritten. Dann kam Corona. 

Während der Pandemie verwandelte sich Gerd Knebel in Gerdo Sintrenza, sang plötzlich spanisch z.B. über „Babuchas De Seda Granate“ (kastanienbraune Seidenpantoffel) und „Basura“ (Müll). Er hob sein Duo Las Sintrenzas aus der Taufe und wollte 2025 auf Tour gehen. Doch seine Krebserkrankung lies das nicht mehr zu. Gerd Knebel starb am 24. Januar im Alter von 72 Jahren.

Langjährige Weggefährten von ihm kommen in dieser Kramladen-Ausgabe zu Wort: Ali Neander (Rodgau Monotones), Detlef Kinsler (Musikjournalist), Volker Pietzsch (Radio Badesalz-Produzent) und Jochen Hasmanis (Badesalz-Film/Video-Produzent). Ausschnitte aus Interviews mit Gerd Knebel werden zu hören sein und viele Songs aus seinen völlig unterbewerteten Soloalben.
 

 

Kommentare

tomwaits vor 4 Monaten
Danke für diese liebevolle und zeitnahe Würdigung, lieber Volker! Für mich hat Gerd seit Flatsch-Zeiten immer dazugehört, umso unfassbarer die Nachricht von seinem Tod. "Verdammt nochmal!" Traurige und dankbare Grüße, Frank

wolfgang burkart vor 4 Monaten
Och Joh, Volker, das war schön. Wenn auch aus traurigem Anlass. Danke und liebe Grüße, Wolfgang Supertrainer
Eingeloggte "Freunde von ByteFM" können Kommentare hinterlassen.

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tomwaits vor 4 Monaten
Danke für diese liebevolle und zeitnahe Würdigung, lieber Volker! Für mich hat Gerd seit Flatsch-Zeiten immer dazugehört, umso unfassbarer die Nachricht von seinem Tod. "Verdammt nochmal!" Traurige und dankbare Grüße, Frank

wolfgang burkart vor 4 Monaten
Och Joh, Volker, das war schön. Wenn auch aus traurigem Anlass. Danke und liebe Grüße, Wolfgang Supertrainer
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Playlist

1.  L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik)
Touch Me There / Zappa Records
2.  Gerdo Sintrenza / Metallica
Babuchas De Seda Granate / Frau Batz Records, Indigo
3.  The Knebells / Rockstar
The Knebells / Frau Batz Records
4.  The Knebells / Was ist los mit dir?
The Knebells / Frau Batz Records
5.  Flatsch / Kaufhaus
Was mer hat des hat mer / Rockport Records
6.  Die Groben Junggesellen / Sag doch mal Au
Schöne Frauen kotzen Blumen / Tonstudio Bieber
7.  Dirty Dabbes / But My Mudder
Putzintensiv / Frau Batz Records
8.  The Hotz / Raindrops With Sherrytaste
The Hotz / Sony Music
9.  Angst vor Clowns / Bügellied
Angst vor Clowns / Blunoise, Alive
10.  Angst vor Clowns / Eigentlich Gitarre
Angst vor Clowns / Blunoise, Alive
11.  Angst vor Clowns / Eigentlich Klavier
Angst vor Clowns / Blunoise, Alive