
Marta Del Grandi – „Dream Life“ (Fire Records)
„Dream Life“, der Titel des zweiten Albums von Marta Del Grandi, verspricht eine Traumreise – und bereits der erste Song der LP löst das ein: „If nothings for nothing I learned to hold still / End my perception of real and unreal“, singt die Italienerin über ein Synthesizer-Arpeggio. Entrückte Worte, sanft intoniert, umrahmt von ebenso lieblichen wie mysteriösen Klängen. Danach folgt der Titelsong, der mit seinen nostalgischen Gitarrenakkorden, seichten Saxofon-Fanfaren und 50er-Jahre-Walking-Bass so auch von Buddy Holly stammen könnte. Konservative Musik-Techniken treffen auf moderne Weirdness. Alt und neu gehen so selbstverständlich Hand in Hand wie nur oberflächlich unsinnig erscheinende Handlungsstränge im Traum. Doch Del Grandis Reise durch das Unterbewusstsein hat gerade erst begonnen.
Diese seltsame Zeitlosigkeit demonstrierte Del Grandi bereits auf dem Vorgänger „Selva“ (2023), ein kunstvolles Hybridwesen aus Synth-, Indie- und Folk-Pop. War diese Platte noch eine Sammlung von „poetischen und pastoralen Ölgemälden“, ist „Dream Life“ nun für Del Grandi mehr eine Art Fotoalbum. Damit meint sie einerseits die detaillierteren Texte, in denen die Sängerin und Songwriterin sich mit dringlichen, irdischen Themen wie der drohenden Klimakatastrophe auseinandersetzt: „The time I spend making up for my advantage / It needs way too many ice cubes and Antarctica is melting“, singt sie in „Antarctica“.
Zwitschernde Gitarren und „Psycho“-Synths
Doch wenn im selben Song plötzlich hektisch groovende, an Dirty Projectors erinnernde Lead-Gitarren loszwitschern, während im Hintergrund der Synth die „Psycho“-Geigen imitiert, offenbart sich eine weitere Ebene dieses „Fotoalbums“. Del Grandi hat die Produktion ihrer Musik auf ein neues Niveau gehoben. Die (Klang-)Bilder sind schärfer, hochauflösender – und lassen so die Seltsamkeit noch mehr hervorstechen.
Da ist zum Beispiel „20 Days Of Summer“, in dem Radio-Störgeräusche mit einer Pedal-Steel-Gitarre harmonieren. Oder „Neon Lights“, ein Song, der mit seiner in Zickzack-Linien schlängelnden Gesangsmelodie und seinen Noise-Rock-Riffs auch auf ein Deerhoof-Album passen könnte. Wenn „Oh My Father“ zum Ende das Album in seelenruhiger Harmonie abschließt, ist man nicht mehr so verzaubert wie am Anfang der LP. Sondern genauso unsicher wie aufgeregt: Kann man dieser Ruhe wirklich trauen? Wovon träumt Del Grandi wohl als nächstes?
Veröffentlichung: 30. Januar 2026
Label: Fire Records
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