Maya Jane Coles – „Night Creature“ (Album der Woche)

Bild des Albumcovers von „Night Creature“ von Maya Jane Coles, das unser ByteFM Album der Woche ist.

Maya Jane Coles – „Night Creature“ (I/Am/Me)

Maya Jane Coles weiß, wie man Menschen zum Tanzen bringt. Das sollte man zumindest vermuten, schließlich hat sie als international gefeierte DJ so ziemlich jeden prestigeträchtigen Dancefloor des Planeten bespielt. Ihre Produktionen sind sogar vom Club ins Mainstream-Pop-Radio übergeschwappt: Singles von Katy Perry, Nicki Minaj oder Lady Gaga basieren auf Coles’ Underground-Hit „What They Say“.
Der House- und UK-Garage-Mix der japanisch-britischen Produzentin ist stets von einer sanften Melancholie durchzogen. Sie schreibt Tracks, die einen von der Tanzfläche über den von der Morgensonne beleuchteten Heimweg bis vor die Haustür begleiten können.

Kopf, Herz & Beine

Dementsprechend wundert es nicht, dass ihr neues Album „Night Creature“ laut eigener Aussage den Wechsel von der Nacht zum Tag, vom Dunkel ins Licht symbolisieren soll. Dieser Übergang wird aber nicht strikt chronologisch dargestellt. Die LP beginnt nicht im Herzen der Nacht und endet nicht am Morgen danach. Stattdessen sind die beiden Pole miteinander verbunden. Denn „Night Creature“ bringt gleichermaßen Herz, Kopf und Beine zum Vibrieren. Coles’ Track sind mit Gegensätzen aufgeladen: Der euphorische House-Pop von „True Love To The Grave“ wird von der introvertierten Ambient-Passage „N31“ abgelöst. Durch die pulsierenden Four-To-The-Floor-Drums von „Run To You“ schlängelt sich ein bedrohliches Blues-Gitarren-Sample. Das dubbige „Devil’s Dance“ ist gleichzeitig verwunschen und beklemmend, wie ein Panorama-Ausblick über ein nächtliches, menschenleeres Industriegebiet.

Die zahlreichen Gesangsbeiträge geben der emotionalen Ambivalenz von „Night Creature“ eine menschliche Note. Sängerin Claudia Kane singt gleich viermal auf dem Album; eine freundliche Stimme, die immer wieder von der Suche nach Nähe und Zuneigung singt. Julia Stone treibt das im Club beheimatete „Got Me“ stark in Richtung Pop – ohne den Beat aus den Augen zu verlieren. Am Ende, nach einem genussvoll ausgedehnten „Slooow Jam“, lullt Coles in „Ending“ ihr Publikum mit zarten Synthesizer-Tupfern ein, die man sich wie eine warme Decke überlegen möchte. Jede Kreatur der Nacht muss ja schließlich irgendwann auch mal ins Bett gehen – und nichts passt dazu besser auf die Ohren als Maya Jane Coles’ schummrig pulsierende Tagundnachtmusik.

Veröffentlichung: 29. Oktober 2021
Label: I/Am/Me

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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