Okay Kaya – „SAP“ (Album der Woche)

Cover des Albums „SAP“ von Okay Kaya, das unser ByteFM Album der Woche ist.

Okay Kaya – „SAP“ (Jagjaguwar)

Kaya Wilkins würde gerne unter Wasser leben. Das sagte sie einst in einem Interview mit dem Document Journal. Auf die Frage, mit wem sie am liebsten Plätze tauschen würde, erwiderte sie: „Mit einem Tintenfisch. Um mich meiner Umgebung anzupassen. Um im Meer zu sein.“ Die norwegisch-US-amerikanische Künstlerin, die unter dem Namen Okay Kaya musiziert, scheint auf jeden Fall sehr fasziniert von der Erfahrung zu sein, im großen Gewässer zu treiben. Schließlich kommt diese Erfahrung immer wieder explizit in ihrer kunstvollen, experimentellen R&B-Musik vor: 2020 arbeitete sie an einer Klang-Installation namens „Wet Suit“, bei der Sounds von im Wasser positionierten Mikrofonen aufgenommen wurden. Den Text ihrer Debütsingle „Ascend And Try Again“ entnahm sie einer Anleitung gegen Panikattacken beim Tauchen.

Wie Sonnenstrahlen durch die Wasseroberfläche

In „Spinal Tap“, einer der Singles ihres aktuellen, dritten Studioalbums „SAP“, geht es auch schon wieder unter den Meeresspiegel: „Everything was under water / Like, like solid water / Not like ice but solid water, you know / None of this stuff was there, but you were there“, singt sie da mit ihrem kühlen Falsett. Im Refrain geht sie mit den flüssigen Metaphern noch weiter – und nennt ihr Gegenüber einen „nassen Opportunisten“. Wilkins’ Beziehung zum Wasser ist mehr als nur Idealisierung. Sie weiß um seine bedrohliche Vielseitigkeit.

Kein Wunder, dass auch die Musik von „SAP“ mitunter klingt, als wäre sie tief auf dem Meeresgrund aufgenommen worden. „Mood Into Object Personified“ eröffnet die LP mit blubbernden Synth-Bässen, verhallten Drums und einer Pedal-Steel-Gitarre, die wie Sonnenstrahlen durch die weit entfernte Wasseroberfläche strahlt. Wilkins und ihre zahlreichen Gastsänger*innen wie die ebenfalls norwegische Künstlerin Farao, US-Indie-Slacker Adam Green und die New Yorker Dreampop-Newcomerin Zannie schwimmen grazil durch diesen Klangozean. Und auch die – Entschuldigung – trockeneren Songs des Albums, wie die Garage-Funk-Exkursion „Jazzercise“ oder das von pulsierenden Synthesizern angetriebene „Like A Liver“ kommen in anmutiger Schwerelosigkeit daher. Kaya Wilkins mag nicht im Meer leben. Sie versteht es trotzdem, auf ihre ganz eigene Art und Weise.

Veröffentlichung: 4. November 2022
Label: Jagjaguwar

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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