Vanishing Twin – „Ookii Gekkou“ (Album der Woche)

Bild des Albumcovers von „Ookii Gekkou“ von Vanishing Twin, das unser ByteFM Album der Woche ist.

Vanishing Twin – „Ookii Gekkou“ (Fire Records)

Wenn eine Frau mit mehr als nur einem Kind schwanger ist, gibt es eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass der eine Fötus den anderen im Verlauf der Schwangerschaft absorbiert. Die Chance für dieses „Vanishing-Twin“-Phänomen beträgt etwa fünf Prozent. Ziemlich gering also.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle vier Musiker*innen der nach diesem Phänomen benannten Band unter diese fünf Prozent fallen? Noch viel geringer. Wieso also überhaupt die Frage stellen? Weil Vanishing Twin in ihrer Musik eine solche Vielseitigkeit an den Tag legen, dass man vermuten könnte, dass jedes einzelne Bandmitglied für dieses Talent mehrere Menschen absorbiert haben müsste.

In alle Richtungen gleichzeitig

„The Age Of Immunology“, das 2019er Debütalbum des Londoner Quartetts, war bereits von extrem eklektischer Natur, eine wilde Mischung aus Kraut, Funk, Sun-Ra-Worship und Dada-Ästhetik. Doch der nun erscheinende Nachfolger setzt dem noch einiges drauf. „Ookii Gekkou“ ist ein wahres Kaleidoskop, das in verschiedensten Formen und Farben schillert – und alle zehn Sekunden etwas Neues offenbart.

Der „Ookii Gekkou“ eröffnende Titeltrack gibt die Richtung vor: Ein kontrolliert stolpernder Groove im 5/4-Takt clasht gegen ein zartes Glockenspiel (im 4/4-Takt gespielt, um die wunderbare Verwirrung zu komplettieren). Sängerin Cathy Lucas schlängelt sich entspannt durch dieses rhythmische Dickicht, kanalisiert dabei die lakonische Gemütlichkeit von Stereolabs Lætitia Sadier. Anderswo erkunden Vanishing Twin die vielen Schattierungen des Ambient, unter anderem mit den Horror-Film-Soundtrack-Klangflächen von „The Organism“ oder den langgezogenen Gitarren-Akkorden von „Wider Than Itself“. Selbst Ohrwurm-Kandidaten, wie das genüsslich Thai-funkende „Phase One Million“, kommen nicht ohne verspielte Vertracktheit aus. Vanishing Twin scheinen immer in alle Richtungen gleichzeitig zu denken. Es macht viel Freude, ihnen dabei zuzuhören.

Veröffentlichung: 15. Oktober 2021
Label: Fire Records

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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