10.07.: Literatur und Fußball: Eine Liebesgeschichte

Fußball ist nicht nur wie Musik (wie wir in der Presseschau von Freitag gelernt haben), Fußball ist auch wie Literatur. Denn „Fußball bringt nicht nur Proleten ins Stadion und vor den Fernseher; auch Intellektuelle und zumal Schriftsteller (Schriftstellerinnen nicht ausgeschlossen) lassen sich von der höheren Ballkunst verzaubern und erregen“, meint Roman Bucheli in der NZZ. All die überraschenden Ähnlichkeiten zwischen Fußball und Literatur findet Ihr hier, u.a. warum Sartre sich Fußball-Übertragungen immer heimlich angeschaut hat oder warum Romane und Fußball „Weltschöpfungsmaschinen“ sind.

Das passt es natürlich, dass Martin Walser einen sehr persönlichen Brief an Bastian Schweinsteiger verfasst hat. In der SZ, versteht sich. Schweinsteiger kniete nach der Niederlage gegen Spanien minutenlang mit dem Gesicht im Rasen auf dem Platz, und Walser möchte nun, dass er weiß: „Sie hätten uns durch keinen Sieg so faszinieren, so bannen, so für sich einnehmen können, wie durch dieses Hinknien“. Das wird Bastian Schweinsteiger beim Verarbeiten des Schmerzes helfen.

Doch nicht nur der Schweinsteiger kniet, sondern auch Adrian Kreye. Und zwar nicht vor Trauer, sondern vor Bewunderung. Und auch nicht auf dem Platz, sondern vor Nina Hagen (metaphorisch). In der SZ lobt er Hagens neues Album „Personal Jesus“ in den höchsten Tönen und versucht sich an einer Ehrenrettung von „Deutschlands einzig[em] echten Superstar, der in New York, London und Paris immer noch viel gilt“ und der „vor über dreißig Jahren mal ein Album veröffentlicht hat, das auf deutsche Teenager eine ähnlich elektrisierende Wirkung hatte wie beispielsweise das weiße Album der Beatles auf ihre Eltern oder das Debüt von The Clash auf ihre englischen Zeitgenossen“.

Mit den Artikeln über M.I.A. reicht es dann auch langsam wieder, und deshalb schließen wir die Presseschau mit einem Artikel, der die eingangs gestellte Behauptung von der Verbindung zwischen Fußball und Literatur unterstreicht. In der Online-Ausgabe der Welt findet sich ein lesenswerter Artikel über den Berliner Schriftsteller und jetzt Büchner-Preis-Gewinner Reinhard Jirgl, der, so sagt es die Unterüberschrift, „stets im Abseits“ stand.

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Diskussionen

0 Kommentare
  1. posted by
    10.07.: Literatur und Fußball: Eine Liebesgeschichte : ByteFM Magazin « eycooley.de
    Jul 10, 2010 Reply

    […] the original here: 10.07.: Literatur und Fußball: Eine Liebesgeschichte : ByteFM Magazin Fusball, Musik No Comments […]

  2. posted by
    “Scheiße. Ist Walser. Müssen wir machen.” : ByteFM Magazin
    Jul 15, 2010 Reply

    […] legt ein Artikel in der taz nahe. Die wundert sich, ähnlich wie wir uns in der Presseschau vom 10.07., über Martin Walsers Brief an Bastian Schweinsteiger. Aber ist eben Walser. var flattr_wp_ver = […]

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