Addieren und subtrahieren – die nordenglische Band Scams

ScamsScams

Es war im Jahr 2008, als Jörg Tresp, seines Zeichens Labelchef von DevilDuck Records (u. a. Talking To Turtles, Björn Kleinhenz, Miss Li), die vier jungen Herren aus Leeds auf dem SXSW-Festival in Austin, Texas, bestaunen konnte. Die Entscheidung war wohl fix getroffen und er holte die Nordengländer auf sein in Hamburg ansässiges Label.

Von weitem scheint das erst einmal eine recht ungewöhnliche Kombination, eine englische Indie-Pop-Band bei einem deutschen Label? Darauf angesprochen berichtet Andy Morgan allerdings, dass es für sie genau der richtige Weg war, denn „DevilDuck war ein wichtiger Schritt für uns, in Zusammenarbeit mit dem Clouds-Hill-Recordings-Studio versucht man hier, uns alles zu ermöglichen, damit wir unser (musikalisches) Ding machen können.“

Das Debüt der Scams erscheint dann 2011 und hört auf den schönen Namen „Rewrite Fiction“, die Platte wirkt, im Vergleich zum Zweitwerk, etwas poppiger und melodiöser. Das gute Stück ist, abgesehen von den Vocals und Samples, komplett live eingespielt, das Ganze im schönen Clouds-Hill-Recordings-Studio in Hamburg unter fachkundiger Aufsicht von Johann Scheerer (u. a. 1000 Robota).

Spricht man die Band auf musikalische Einflüsse an, so kann es passieren, dass man eher absurd anmutende Künstler/Bands – zumindest in Relation zum Gehörten – aufgetischt bekommt. Da fallen dann gerne mal Namen wie Michael Jackson oder Destiny’s Child. Befragt man Morgan zu diesem Thema bekommt man erstaunlich einleuchtende Antworten. „Naja, wir machen uns schon auch einen Spaß daraus, denn das ist die wohl am häufigsten gestellte Frage und oft geht es in Interviews darüber auch nicht hinaus. Gott sei Dank ist es in diesem Interview anders. Dazu kommt, dass ich eben auch Tage oder Momente habe, in denen mir dann nach sehr poppigen Sachen ist. Ob diese meine Musik inspirieren, kann ich nur schwerlich sagen. Andererseits, wie sollten sie mich nicht inspirieren?!“

Das Nachfolgealbum „Add And Subtract“, das aktuell auf DevilDuck Records herauskommt, scheint etwas rougher und tiefer, aber auch erwachsener und sehr fokusiert. Sänger Andy Morgan beschreibt und begründet die Entwicklung damit, dass sie „die Songs für ‚Add And Subtract‘ in wesentlich kürzerer Zeit geschrieben haben. Das hilft manchmal, eine höhere Dichte zu erreichen. Wir sind lauter geworden und auch konfrontativer.“

Seit Juli ist bereits die erste Single-Auskopplung zu haben; „Be A Gentleman“ ist luftig und verspielt. Wenn man wollte, könnte man von einem potenziellen Indie-Sommerhit sprechen. Auch sonst geben sich die vier recht verspielt, immer wieder finden sich kurze Gitaren-Solo-Parts, die aber, dank analoger Aufnahme-Techniken, immer recht schlank und nie überkandidelt wirken. Auch stimmlich hat das Quartett den ein oder anderen Kniff zu bieten, so unter anderem bei dem wohlig-warmen „Sound And Vision“, das streckenweise Chor-ähnliche Gefühle beim Hörer verursacht. Das vorliegende Machwerk der Scams geht im Großen und Ganzen ordentlich nach vorn, ist melodiös, wundervoll tanzbar und lässt auch die ruhigeren, Pop-intensiveren Momente nicht zu kurz kommen.

Auch live sind die Nordengländer eine echte Augenweide, nicht umsonst haben sie schon das Vorprogramm so klangvoller Bands wie Azure Ray, New Politics oder Cast geschmückt. Im September sind die Herren dann auch wieder in deutschen Gefilden zu bestaunen und sind jedem wärmstens ans Herz zu legen, präsentiert wird das Ganze von ByteFM:

12.09.12 Rees-Haldern – Haldern Pop Bar
13.09.12 Solingen – Getaway
15.09.12 Berlin – Lido
17.09.12 Hamburg – Molotow Bar

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