Neue Platten: Moss – "Ornaments"

(Excelsior Recordings)(Excelsior Recordings)

8,1

„A Real Hero Dies In The End“, so der Titel eines Songs von Moss‘ neuer Platte „Ornaments“. Hoffentlich nicht! Denn dann wäre das neue Werk der Holländer vollkommen zu kurz gekommen und schnell in die „Dead-But-Still-Somehow-Alive“-Ecke geschoben. Schließlich haben die vier Herren das Potenzial, die neuen Helden der Indie-Pop-Szene zu werden.

„Ornaments“ ist das dritte Album der Band, die in Deutschland kaum bekannt ist, in den Niederlanden allerdings durchaus mit Fans herhalten kann. Die Helden in spe machen wunderbar leicht anklingenden Pop mit heftigem Indieeinschlag. Die Schwerter unserer Ritter sind Gitarren- und Tamburinförmig, das Ross, auf das sie gestiegen sind (alle vier auf ein einziges) klappert mit den Hufen, wie rhythmisches Händeklatschen. Ihre Ritterrüstung ist geschmiedet aus einer einprägsamen Gesangsstimme (fast ein wenig an Clap Your Hands Say Yeah erinnernd) und typischem Indiesound. Und so machen sie sich auf den Weg, die eingesperrte Prinzessin zu retten. Das arme Ding hockt im hohen Turm und langweilt sich mit abgeschmackten Sounds rum, ihre Anlage ist kaputt, lediglich der MP3-Player funktioniert noch und spielt in Endlosschleife dieselbe Playlist.

Ja. So könnte die Geschichte unseres vierköpfigen Moss-Helden anklingen. Natürlich befreit er die Prinzessin am Ende mit großem Trara und viel Konfetti. Aber wie macht er das? Ganz einfach – mithilfe altehrwürdiger Methoden. Moss spielen die Gitarren groß, geben dem zappeligen Takt den Vorrang und konzentrieren sich auf den guten alten Indiesound. Keine großartigen Experimente, keine Ausflüge in benachbarte Genres. Einfach guter Indie-Pop. Die Songs stimmen in sich, sie klingen großartig locker und unbeschwert, sie lassen Zehen tippen und Finger trippeln. Die Melodien sind einfach und noch beim ersten Hören mitsummbar.

„Ornaments“ ist ein gelungenes Indie-Pop-Album, das ein Happy End unseres Helden vermuten lässt. Wenn er sich seine Waffen beibehält, sich das Pferd schnappt und die Prinzessin befreit, dann stehen die Chancen für ein heldenhaftes Überleben mehr als gut.

Label: Excelsior Recordings | Kaufen

Das könnte Dich auch interessieren:

  • The KVB – „Of Desire“ (Album der Woche)
    Für ihr viertes Album sind The KVB nach Bristol gereist, um im Studio von Geoff Barrow aufzunehmen. Auf zwölf Stücken spinnen die Wahlberliner*innen Nicholas Wood und Kat Day ein zwielichtiges, sinnliches Netz aus Wave, Shoegaze, Synth-Pop und etwas Rock ’n’ Roll....
  • Isolation Berlin – „Und Aus Den Wolken Tropft Die Zeit“ (Album der Woche)
    Isolation Berlin machen Gitarrenpop über die Großstadt, in der sie leben, an der sie zerbrechen und an der sie sich hochziehen. Das Auf und Ab des Alltags, geplatzte Träume, überfordernde Schwärmereien packen sie textlich in einleuchtende Momentaufnahmen....
  • Jlin – „Black Origami“ (Rezension)
    Fokussiert, fieberhaft, präzise: Mit "Black Origami" hat die US-amerikanische Produzentin Jlin ein Album vorgelegt, auf dem sie sich als Meisterin hochkomplexer Arrangements entpuppt....


Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.