Neue Platten: The Strokes – "Angles"

Von Marc Beham, 17. März 2011

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? Die Strokes haben 2001 mit ihrem Album „Is This It“ eine neue Ära der Musikgeschichte eingeläutet. Sie waren jung, sie klangen frisch, frech, rotzig und aufregend, und sie galten als eine Art Erlöserband, die die Gitarrenmusik auf eine neue Weise aufleben ließ. Dieser Ruf haftet bis heute an ihnen. Vielleicht ist ihnen das zu Kopf gestiegen und sie haben sich deshalb seit ihrer letzten Veröffentlichung „First Impressions Of Earth“ (2006) fünf Jahre Zeit gelassen, um ein neues Album aufzunehmen, das nun erscheint und den Titel „Angles“ trägt.

Was? Wie soll man eine Rezension über eine Band beginnen, die wahrscheinlich zu den wichtigsten der Nuller Jahre gehört und über die deshalb schon so viel geschrieben wurde? Vielleicht, indem man mal versucht, sie aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten? Indem man alle Kritiken ignoriert, die bereits über die neue Scheibe geschrieben wurden? Na gut, das wäre schon ein großer Anspruch. Lassen wir uns also nicht länger von solchen Fragen aufhalten, fangen wir doch lieber damit an, einfach die Musik anzuhören. Das erste Stück geht los und es handelt sich unverkennbar um die Strokes. Reif klingen sie, gewachsen, gealtert, gesetzt. Aber das ist für eine Band, die mittlerweile schon zehn Jahre im Amt ist, ja auch normal und im Falle der Strokes allemal nichts neues, denn gereift klangen sie auch schon auf dem Vorgängerwerk. Doch was ist das danach, in „Under Cover Of Darkness“? Ist sie da wieder, die Energie von damals? Es hört sich danach an. Manche Stücke fühlen sich später zwar schon etwas flach und zu seicht an („Two Kind Of Happiness“, „Games“), aber dafür ist er zwischenzeitlich auch immer wieder zu hören, der alte Schmutz der Garage („Gratisfaction“), gepaart mit den herrlichen, mittlerweile für den Strokes-Sound typischen Gitarrenmelodien, die Albert Hammond Jr. und Nick Valensi aus ihren Instrumenten zaubern („Taken For A Fool“).

Warum? Und plötzlich ist es auch schon wieder vorbei. Lang ist das Album nicht, knappe 35 Minuten. Das erinnert an „Is This It“ und „Room On Fire“. Auch die liefen nicht viel länger als eine halbe Stunde. Vielleicht sollte man, um sich dieser Band zu nähern, jeglichen blockierenden Respekt abwerfen und sich einfach daran orientieren, wie es einem nach dem Hören ergeht. Denn was macht Musik mit uns? Sie berührt uns oder sie tut es nicht. Jedenfalls habe ich mich nach dem Hören des ersten Albums gut gefühlt. Und auch nach dem Hören des zweiten und dritten Albums fühlte ich mich heiter gestimmt. Und jetzt? Jetzt fühle ich mich durchwachsen. Sicher, ich habe ein kurzweiliges Album gehört. Aber zu einer intensiveren Berührung kam es nicht wirklich. Dann versuche ich also doch mal, anders auf die Sache zu blicken. Was wollen die Strokes denn mit ihrem vierten Werk und nach zehn Jahren noch erreichen? Sie müssen nichts mehr erreichen. Sie sind in der Musikwelt akzeptiert, deswegen sind es doch in erster Linie die zahlreichen Fans, die sich auf diese Musik gefreut haben. Und was wollen die? Sie wollen die Strokes hören. Genau das bekommen sie auf „Angles“ jedenfalls, wenngleich – aber das schon seit 2006 – in neuerem Gewand. Der Innovationspreis mag im Jahre 2011 vielleicht an eine andere Band gehen, aber ein unterhaltsames Album für den Moment, das haben sie trotzdem abgeliefert, die fünf nun nicht mehr ganz so jungen Männer aus New York.

Label: Rca Int. (Sony Music) | Kaufen

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