Spuren allerorten – Leonard Cohen wird 75

Leonard Cohen gibt den Mittzwanzigern Hoffnung. Erst mit 23 Jahren begann er seine Karriere als Sänger. Heute wird der gebürtige Kanadier 75. Ein Rückblick.

Mit 13 Jahren griff Leonard Cohen das erste Mal zur Gitarre. Nach eigenen Angaben geschah dies hauptsächlich, um Mädchen zu beeindrucken. Bald folgten kleinere Auftritte in Cafés und Bars. Seine Aufmerksamkeit richtete Cohen in den folgenden Jahren aber vornehmlich auf seine Karriere als Schriftsteller. Die nötigen finanziellen Mittel dafür stammten aus dem Erbe, das Cohens Vater – er starb als Cohen gerade neun Jahre alt war – ihm hinterließ.

Noch während seines Studiums veröffentlichte Cohen seinen ersten Gedichtband. Inspiriert von großen Schriftstellern wie Walt Whitman, William Butler Yeats und Henry Miller, bevorzugte es Cohen zurückgezogen und sehr akribisch an sein literarisches Werk zu gehen und fand relativ früh, vor allem in seiner kanadischen Heimat, Anerkennung für seine Arbeit.

Den Prozess des Schreibens beschrieb Cohen später als sogleich belebend und schmerzhaft.
In den Sechzigern publizierte Cohen weiterhin Lyrik und seine ersten Romane. 1967 zog es Cohen nach einiger Zeit, die er schreibend auf der griechischen Insel Hydra verbracht hatte, in die USA, wo er zunehmend in den Künstlerkreisen in und um Andy Warhol’s Factory verkehrte. Dort, in New York, fing er an, sich wieder stärker auf die Musik zu konzentrieren.

Viele seiner Stücke waren musikalische Adaptionen seiner Gedichte. Nach Auftritten auf diversen Folk Festivals wurde schließlich Columbia Records auf den Mann mit dem schwermütigen Bariton aufmerksam und brachte 1967 sein erstes Album „Songs of Leonard Cohen“ heraus. Die Platte wurde ein Klassiker seines Genres. Für einen kommerziellen Erfolg in den USA war sein Debüt zwar zu speziell, in Großbritannien hielt es sich jedoch über ein Jahr in den Albumcharts.

In den folgenden Jahren veröffentlichte Cohen „Songs from a Room“ (1969), das tieftraurige „Songs of Love and Hate“(1971), „Live Songs“ (1973) und „New Skin for the Old Ceremony“ (1974). Auf diesen Alben finden sich Klassiker wie „Joan of Arc“, das oft gecoverte „Suzanne“, „So Long, Marianne“, „Diamonds in the Mine“, „Bird on the Wire“, „Tonight Will Be Fine“ und „The Partisan“.

In den späten Siebzigern arbeitete Cohen unter anderem mit Phil Spector zusammen – die Partnerschaft stellte sich als hindernisreich heraus und nicht alle konnten sich mit dem veränderten Sound Cohens anfreunden. Ein kleines Comeback gelang ihm 1984 mit dem Überlied „Hallelujah“. Seine Musik behielt bis in die frühen Achtzigern hinein einen melancholischen Charakter; es ging um Themen wie Selbstmord und Depression. Die Kritiker ließen sich so zum Beispiel bei „Songs of Love and Hate“ dazu hinreißen, anzuregen, dass doch die Rasierklingen gleich der LP-Hülle beigelegt werden sollten.

In den folgenden zehn Jahren war Cohen weiterhin sowohl literarisch als auch musikalisch aktiv. Er steuerte immer öfter auch die Musik zu kleineren und größeren Filmproduktionen bei und war sogar selbst auf der Mattscheibe zu sehen: absurderweise in einer Episode der Fernsehserie Miami Vice. 1987 veröffentlichte Leonard Cohen das Album „I’m Your Man“. Es sollte sein erfolgreichstes seit seinem Debüt werden. 1992 veröffentlichte Cohen mit „The Future“ sein vorerst letztes Album. Drei Titel daraus landeten auf dem Soundtrack zu dem Film „Natural Born Killers“.

Nach der Veröffenlichung dreier Alben in den frühen 2000ern, ging Leonard Cohen im Jahr 2008 – nach 15 Jahren Bühnenabstinenz – wieder auf Tour und ließ damit die Herzen von Müttern und Söhnen zugleich höher schlagen.

Heute wird Leonard Cohen 75 Jahre alt. Allerorten hat er seine Spuren hinterlassen und die ganz großen Themen wie Liebe und Sex, Tod und Leben und Verbrechen und Schuld wie kaum ein anderer in eine eigene lyrische und musikalische Sprache übersetzt.

ByteFM feiert seinen Geburtstag heute im TourKalender mit Jumoke Olusanmi – ab 16 Uhr. Außerdem in der Wiederholung von Was ist Musik mit Klaus Walter am Dienstag um 13 Uhr.

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