St. Vincent – „Strange Mercy“

VÖ: 09.09.2011
Web: „http://www.ilovestvincent.com/“
Label: 4ad

Wie glühend-heiße Kometen fallen die ersten Klänge auf „Strange Mercy“, als sei dies der Beginn eines neuen, sich einbrennenden Abenteuers. Und Annie Clark alias St. Vincent bewegt sich mit ihrem dritten Album tatsächlich auf einem ganz neuen Planeten. „Früher habe ich eher schöne und süße Musik gemacht. Mit dieser Platte wollte ich jedoch emotional so direkt wie möglich sein und alles etwas düster und furchteinflößend gestalten“, erklärt sie uns im Interview.

Auf „Strange Mercy“ spielt St. Vincent mit der Realität und der Wahrnehmung, verdreht Fakten, verschönert und verdunkelt. Diese Taktik macht sich nicht nur textlich bemerkbar. Musikalisch taucht die Texanerin in ein Wechselbad von roher Instrumentierung und elektronischer Verspieltheit. Die von ihr selbst eingespielte Gitarre wird zum tragenden Element der Platte. Während elektronische Computertöne benebeln, verwirren und vom handfesten Musizieren entfernen, zerrt die Gitarre – dieses greifbare, aber auch brutale Saiteninstrument – zurück auf den Boden der Tatsachen.

St. Vincent probiert auf „Strange Mercy“ aus, was machbar ist und was nicht. Dabei lässt sie kaum etwas unversucht. Stimmlich geht sie an ihre Grenzen. Sie singt in hohen Tönen, japst erschöpft nach Luft und lässt sich dann auf angenehm bezirzender Tonlage nieder. Dazu wechseln sich schnelle und gemächliche Rhythmen ab. Songs wie „Cruel“ werden dadurch tanzbar, andere Stücke wie „Surgeon“, das sich im Tempo steigert, wirken wiederum unheimlich und fast schon hysterisch. Pop, Soul und Rock’n’Roll kämpfen, versöhnen und vereinigen sich, sodass ein unmittelbares und robustes Klangbild entsteht.

In der Produktion von „Strange Mercy“ stand St. Vincent vor allen Dingen kreativer Kopf John Congleton zur Seite. Er unterstützte sie in ihrer Ideenfindung und in technischen Angelegenheiten. Für den weiteren Feinschliff sorgten Midlakes McKenzie Smith (Schlagzeug) und Beck-Mitglied Brian LeBarton (Keyboard). Gemeinsam haben sie eine reife Platte geschaffen, die sich textlich und musikalisch deutlich von St. Vincents früheren Alben „Marry Me“ und „Actor“ absetzt. „Strange Mercy“ ist schließlich nicht nur dem spukhaften Albumcover nach zu urteilen eine Platte, die ihre greifenden Spuren hinterlassen wird.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Panasonic.

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