WU LYF

Von mike-herbstreuth, 7. Juni 2010


Gibt es im digitalen Zeitalter noch geheimnisvolle Bands? Sobald eine EP veröffentlicht wird, weiß man eigentlich, mit wem man es zu tun hat. Woher die Band kommt, wo die Mitglieder zur Schule gingen, welches ihre Lieblingsalben und Lieblingsgerichte sind. Es gibt jede Menge Referenzbands, aha, Indiefolk, Akustikgitarre, alles klar. Sänger wahrscheinlich bärtig.
Doch was, wenn man nichts über eine Band weiß? Geht man ohne großes Vorwissen nicht anders und offener an die Musik heran? Eine Band, deren Musik man so unbeeinflußt hören kann, sind zweifelsohne WU LYF.

[audio:http://www.byte.fm/magazin/audio/Wu_Lyf_Such_a_Sad_Puppy_Dog.mp3|titles=Such A Sad Puppy Dog|artists=WU LYF]WU LYF – Such A Sad Puppy Dog

[audio:http://www.byte.fm/magazin/audio/Wu_Lyf_Heavy_Pop.mp3|titles=Heavy Pop|artists=WU LYF]WU LYF – Heavy Pop

[audio:http://www.byte.fm/magazin/audio/concrete gold.mp3|titles=Concrete Gold|artists=WU LYF]WU LYF – Concrete Gold

WU LYF sind nichts, das bestgehütetste Geheimnis Englands, revolutionär, Marketingstrategie, Betrug, die Band der Zukunft.
All das sind WU LYF – oder auch nicht. Es ist schwer zu sagen, angesichts der wenigen Tatsachen, die über die Band bekannt sind. Dass aber genau diese Abwesenheit von Informationen führt dazu, dass die Faszination anhält und WU LYF immer wieder auf diversen Blogs auftaucht, ohne etwas veröffentlicht zu haben, das steht fest. Aber zu den Fakten: Was weiß man über die Band? Dass sie aus Manchester kommt. Und dass der Name ein Akronym für „World Unite / Lucifer Youth Foundation“ ist. Und damit beginnt dann auch das Rätseln.

WU LYF bestehen aus vier, sechs oder zehn Mitgliedern. Sie haben die wohl nutzloseste myspace-Seite, die es gibt. WU LYFs Homepage bestand bis vor kurzem aus Cut-ups und kryptischen Limericks, an willkürlichen Stellen der Seite konnten versteckte Songs heruntergeladen werden. Mittlerweile ist dort eine obskure Filmmontage zu den zwei Songs „Concrete Gold“ und „Heavy Pop“ zu sehen.
Auf der Homepage kann man etwas für 17 Euro erstehen, wenn man schnell genug ist, auf den unteren Teil des Bildes zu klicken, bevor der Film beginnt. Es ist jedoch nicht ganz klar, was man kauft. Verpackung und Versand sind jedenfalls im Preis enthalten.

Ob es die Songs „Concrete Gold“ und „Heavy Pop“ sind, die man da erwirbt, ist allerdings fraglich. „Concrete Gold / Heavy Pop are statements of intent. They are not for sale. They have no cash-flow value. We are not in the business of selling commodity.“ So steht es auf der Homepage. Keine Ware verkaufen sie also – was dann?

„The LYF is a non-profit organization; lost brothers looking for a place to call home, in return for yr hard earnt currency our home is your home.“ Ganz ohne Geld geht es also auch bei WU LYF nicht, denn eines weiß auch die Band und outet sich als Fan des Wu-Tang Clans (was man sich beim Namen aber auch hätte denken können): „You don’t need to buy this shit to be in the LYF, but joining holds a price to sustain action. Girl I’d give it to you, but cash rules everything around me.“

Sie weigern sich (noch), gesignt zu werden. Kürzlich konnte man auf einer Konzertankündigung der Band diese Nachricht lesen: „Any suits wanna come? Some wild cats in clean clothes? wanna make-see some hype? fuck you, this aint for you, this is for kids, kids who have the courage to remain kids, not peddle their ass for the dreams of mountains peak. me and my boy tommy gun been sharpening our fists, come get cut up.“ Da überlegt es sich der A&R-Manager vielleicht nochmal, zum Konzert zu gehen. Obwohl man Glück haben muss, WU LYF live zu sehen. Wenn sie auftreten, sind es meistens Geheimkonzerte oder sie spielen unter falschem Namen.

Auf den wenigen Bildern, die womöglich die Band zeigen, sehen sie aus wie eine revolutionäre Zelle. Weiße Tücher verhüllen die Gesichter der Jugendlichen, die vor Rauchschwaden stehen. Das hat alles etwas von Untergrund und Subversion. Und ist natürlich ziemlich cool. Womöglich geht man also doch nicht ganz unbelastet an die Musik heran und bringt schon mal eine Grundsympathie dafür entgegen, dass sie es schaffen, diese Mystik trotz Blogs, myspace und Twitter um sich herum aufrecht zu erhalten.
Vielleicht ist das alles aber auch nur ein ausgeklügelter Teaser, bis die Band an die Öffentlichkeit geht und fortan für Prominenten-Geburtstage und Modeschauen gebucht werden kann. Bis dahin sind sie aber wohl die geheimnisvollste und interessanteste Band, die es momentan gibt.

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Diskussionen

0 Kommentare
  1. posted by
    Christoph
    Jun 7, 2010 Reply

    Spannendes Thema, interessante Musik. Komische Typen wohl, aber die machen ja meistens interessante Musik. Ein Dilemma.

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