Album der Woche: Jungle – „Jungle“

Jungle – „Jungle“ (XL Recordings)

Jungle – „Jungle“ (XL Recordings)

Wenn man die bisher von Jungle veröffentlichten Musikvideos betrachtet, fallen zwei Dinge ganz besonders auf: Zum einen ist da die offensichtliche Vorliebe für eine bekannte Sportartikelmarke. Zum anderen wird getanzt. Und wie! Ekstatisch. Lebensfroh. Hemmungslos. Noch nie wurde auf Rollschuhen so beeindruckend zu einem Song getanzt wie im Video zu „The Heat“. Noch nie hat eine sechsjährige Breakdancerin so überzeugend Head Spins, Windmills und dergleichen abgeliefert wie bei „Platoon“. Noch nie war der Wunsch größer, den Bildschirm zu durchbrechen, um mit zwei älteren Herren das Tanzbein zu schwingen – so wie im Musikvideo zur aktuellen Single „Time“. Kurzum: Die Musikvideos von Jungle machen einfach Spaß. Doch dies ist nur ein Aspekt, warum Jungle als eine der interessantesten Newcomer-Konstellationen gilt.

Beim Erscheinen der ersten Songs Ende 2013 hüllen sich die Musiker und das Label in Schweigen bezüglich Hintergrundinfos. Eine siebenköpfige Live-Besetzung sowie zahlreiche Tänzer vervollständigen die Verwirrung und lassen offen, ob Jungle nun ein Duo, Trio, Quartett oder etwas ganz anderes ist. Mit der Zeit kommen spärliche Infos ans Tageslicht, etwa dass es sich tatsächlich um ein Duo handelt und dieses aus Josh Lloyd-Watson und Tom McFarland besteht. Die beiden sind bereits seit dem zehnten Lebensjahr beste Freunde. Nicht die schlechteste Ausgangsituation, um zusammen Musik zu machen. Gemeinsam kommen sie beim renommierten Label XL Recordings unter Vertrag und starten mit den Aufnahmen zu ihrem Debütalbum. Zur einen Hälfte entsteht dieses im heimischen Studio, zur anderen Hälfte im Londoner XL Studio.

Das Resultat ist erschreckend überzeugend. Was da aus dem Kopfhörer dringt, klingt nicht wie eine Band, die noch in den Startlöchern sitzt und versucht, einen eigenen Sound zu finden. Jungle ist bereits mit dem Debütalbum unverwechselbar. Wie Anfangs erwähnt, gibt es (bisher) kein Musikvideo, in welchem die Beine stillstehen. Das Herz in der Musik von Jungle ist der Rhythmus – und die Seele der Groove. Die stets tanzbare Mischung aus HipHop, Rock, Elektro, Soul, Reggae, Disko, Funk und Soul mit 70er-Jahre-Reminiszenz ist trotz dieser Vielfalt nie überladen oder gekünstelt. Josh und Tom sind stets gleichberechtigte Gesangspartner und geben den Songs mit ihren Falsett-Stimmen eine regelrechte Glanzpolitur. Für eine Überraschung sorgt der letzte Song der Platte mit dem malerischen Titel „Lemonade Lake“. Dieser beinhaltet einen Hidden Track, der eine gänzlich unerwartete Facette zeigt: Über schleppenden, tremolierenden Orgelklängen und E-Gitarren-Gezupfe jault eine verzerrte Stimme. Ganz ohne Beat und im Vergleich zu den restlichen Songs auf dem Album keineswegs tanzbar. Doch gerade hier zeigt sich eine willkommene Abwechslung, und man darf gespannt sein, ob das Duo für den Nachfolger mehr dieser ruhigen Passagen einbaut. Für Tom und Josh zählt im Moment wohl aber erst mal der Genuss und Stolz, eines der besten Debütalben diesen Jahres zu veröffentlichen: „Jungle brought us closer together. It made us realize why we’re best friends, and why we wanted to make music that’s fun and honest and true to itself.“

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Jungle“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Jungle – Platoon from Jungle on Vimeo.

Label: XL | Kaufen

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