The Knife – "Shaking The Habitual"

The Knife - Shaking The HabitualVÖ: 5. April 2013
Web: theknife.net
Label: Rabid

The Knife sind zurück und zwar mit gutem Grund. Dem Geschwisterpaar Karin und Olof Dreijer lag es fern, ohne konkretem Konzept an einem Nachfolger zu „Silent Shout“ zu arbeiten. Nachdem dieses 2006 erschienen war, widmeten sich die Bandmitglieder erst einmal anderen Projekten. Karin Dreijer wurde als Fever Ray bekannt, ihr Bruder machte unter dem Pseudonym Oni Ayhun Musik. Als es darum ging, sich wieder als The Knife zu betätigen, war es beiden wichtig, die Musik mit einer Message zu verbinden. Beide hatten sich mehr als zuvor mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Vorgängen auseinandergesetzt und darüber eine ganze Menge Unmut angesammelt. Dieser bildete die Grundlage für „Shaking The Habitual“, was übersetzt in etwa „an den Gewohnheiten rütteln“ bedeutet.

Gewohnheiten sind das, was The Knife Frustration bereiten. Die der anderen wie auch die eigenen. Deswegen können die musikalischen Strukturen auf dem aktuellen Album auf Fans der Band überraschend wirken. Es gibt einige Instrumentals, zum Beispiel das nach Post-Apokalypse klingende „A Cherry On Top“ und „Crake“, bei dem ein hochgepitchtes Nebelhorn auf entrücktes Rascheln und Knarzen trifft. Ganze sechs Tracks sind länger als acht Minuten und das heißt nicht, dass Raum für Erholungsmomente gelassen wurde. Dieses Album versprüht eine große Unruhe und ein großes Unbehagen. So zum Beispiel das beklemmende „Wrap Your Arms Around Me“ oder das 10-minütige Stück „Stay Out Here“, das nach dystopischem Techhouse klingt, den man definitiv nicht nach einer durchzechten Nacht hören sollte. Drumsamples werden von minimalistischen Synthieklängen gejagt und von einem bedrohlich klingenden Duett übertönt.

Es finden sich allerdings auch Stücke auf „Shaking The Habitual“, bei denen man so etwas wie eine Liedstruktur erkennt. „A Tooth For An Eye“ eröffnet das Album und bietet Anknüpfungspunkte zu „Silent Shout“. Es ist der Track, bei dem man sich am wenigsten fürchten muss, zu dem sogar müheloses Tanzen vorstellbar ist. Mühelos werden auch gewohnte Bilder von Machtverteilung und Männlichkeit im dazugehörigen Video auseinandergenommen. Ein junges Mädchen betritt einen Sportsaal voller Männer, die allesamt älter sind als sie, und lässt sie nach ihrer Pfeife tanzen. An diese Struktur und Thematik schließt „Ready To Lose“ an, das schon beim ersten Hören zugänglich klingt. Hier treffen verhältnismäßig wenige unterschiedliche Samples und Melodien aufeinander. Umso geladener sind die Lyrics. Karin Dreijers Stimme steht im Vordergrund und fragt: „Ready to lose a privilege?“ Das ist Intersektionalitätstheorie in Liedform.

Man muss allerdings genau hinhören, um etwas von der Dreijer’schen Gesellschaftskritik aufzunehmen. Die insgesamt 13 Stücke sind aufgrund der komplexen Arrangements durchaus anspruchsvoll, doch „Shaking The Habitual“ wurde nicht dafür gemacht, in sozialwissenschaftlichen Seminaren auseinandergenommen zu werden, obwohl das eine reizvolle Vorstellung ist. Hier möchte man nicht nur aufgrund der Texte, sondern vor allem wegen der abenteuerlichen Schichtungen handgemachter Klänge zuhören. Viele der Stücke sind aus Improvisationen der Geschwister hervorgegangen. Field Recordings fanden ebenso Verwendung wie eine Zither, die gleichzeitig gespielt und gestimmt wurde. Diese vielen einzelnen Frequenzen haben The Knife auf bemerkenswerte Weise zu einem Ganzen gefügt. Aus ihrem dekonstruktivistischen Ansatz ist ein Album entstanden, das irritiert, aber eben auch Neugier weckt. Und diese lässt einen dann doch bis zum Schluss an „Shaking The Habitual“ dranbleiben.

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Label: Rabid | Kaufen

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