Von „Hair“ bis HipHop – zum Tod von Galt MacDermot

Foto von Galt MacDermot, J Dilla und Run-D.M.C.

Von links nach rechts: Galt MacDermot, J Dilla und Run-D.M.C.

Galt MacDermot ist eigentlich ein Name, der größtenteils Freundinnen und Freunden des Musicals bekannt sein dürfte. Der am 18. Dezember 1928 in Montreal geborene Komponist und Songwriter schuf mit „Hair“ eines der ikonischsten Stücke der 60er-Jahre. Auch das 1971 uraufgeführte „Two Gentlemen In Verona“ gilt als wichtiges Rock-Musical. Doch seine Musik führte auch seit vielen Jahren ein interessantes Eigenleben, fernab von den Brettern, die die Welt bedeuten: Seit den 90er-Jahren wird sein Werk ausgiebig von BeatkünstlerInnen als Sampling-Quelle verwendet.

Galt MacDermot ist am 17. Dezember 2018 gestorben, einen Tag vor seinem 90. Geburtstag. Hier sind vier HipHop-Tracks, die sich seiner Kompositionen bedienen:

Run-D.M.C. – „Down With The King“ (1993)

Einer der ersten Produzenten, der das HipHop-Potential von MacDermots Kompositionen erkannte, war Pete Rock. Der Beatkünstler aus der Bronx schneiderte Run-D.M.C. für ihren 1993er Hit „Down With The King“ aus dem Slap-Bass-Groove von „Where Do I Go?“ ein neues Gewand. Ursprünglich beendete der Song den ersten Act von „Hair“.

Busta Rhymes – „Woo Hah!! Got You All In Check“ (1996)

1969 komponierte MacDermot den Soundtrack zum dokumentarischen Kurzfilm „Woman Is Sweeter“ über das Leben und Schaffen von Yves Saint Laurent. Zu den wenigen Menschen, die den relativ unbekannten Film sahen, gehörte scheinbar auch Busta Rhymes – der das klimpernde E-Piano des Instrumentals „Space“ als Grundlage für seine Debütsingle „Woo Hah!! Got You All In Check“ verwendete. Aus einem obskuren Soundtrack wurde eine für den Grammy nominierte Hit-Single.

J Dilla – „Mash“ (2006)

J Dilla komponierte sein letztes Album „Donuts“ nur wenige Tage vor seinem Tod. In seinem Krankenbett hatte der Beatmeister aus Detroit nur einen Sampler, ein 45er-Turntable und die zahlreichen Platten, die ihm seine Mutter und seine Freunde vorbeibrachten. Eine davon: „The Nucleus“, ein 1971 veröffentlichtes Album von Galt MacDermot. Dilla war von dem funky-jazzigen Piano-Instrumental „Golden Apples Pt. II“ angetan – und verewigte seine leichtfüßigen Klavier-Akkorde in dem melancholisch groovenden Track „Mash“.

Oh No – „Second Chance (feat. Aloe Blacc)“ (2006)

Genau wie J Dilla war auch Oh No ein Stammkünstler des US-amerikanischen HipHop-Labels Stones Throw Records. Der kalifornische Rapper und Produzent veröffentlichte nur wenige Monate nach „Donuts“ ein Album namens „Exodus Into Unheard Rhythms“, auf dem er nahezu ausschließlich MacDermot-Samples verwendete – mit butterweichen Ergebnissen. Ein Paradebeispiel ist „Second Chance“: Ein Sample von „Queenie‘s Theme“, veröffentlicht auf dem 1971er Soundtrack zum Drama „Fortune And Men‘s Eyes“, bildet das Fundament, über dem ein Prä-“I-Need-A-Dollar“-Fame Aloe Blacc seinen gefühlvollen R&B-Gesang ausbreitet. Einer von vielen Songs, die beweisen, dass MacDermots Musik lange weiterleben wird.

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