Flasher – „Constant Image“ (Rezension)

Cover des Albums „Constant Image“ von Flasher (Domino)

Flasher – „Constant Image“ (Domino)

7,0

Washington, DC. Amtssitz des US-Präsidenten und ab den 80ern Heimat bedeutender US-Punkbands. Seitdem Donald Trump in der Nachbarschaft sein Unwesen treibt, boomt die Drei-Akkord-Gegenbewegung – die Erben von Fugazi und Co. sind wieder äußerst umtriebig. Speerspitzen wie Downtown Boys und Priests machen mit einer unglaublichen Dringlichkeit gegen die sozio-politischen Umstände mobil. Etwas introvertierter und schüchterner als die Klassenbesten, stellen sich Flasher mit ihrem Debütalbum „Constant Image“ als neue Mitschüler vor.

Zwar mit den Schulhof-Coolsten Priests verbandelt (Sänger und Gitarrist Taylor Mulitz spielte dort einst Bass), müssen sich die Neuankömmlinge ihre eigene Nische in der Washingtoner Punk-Klasse suchen. Den Arbeitsauftrag geht Mulitz mit seinen MitstreiterInnen Emma Baker am Schlagzeug und Daniel Sapersteen am Bass ebenfalls über den Lösungsweg Post-Punk an, wenn auch mit deutlich weniger Polemik als seine MitschülerInnen.

Ode an die Freunde

Seit ihrer selbstbetitelten Debüt-EP von 2016 verfolgen Flasher einen äußerst kollektivistischen Ansatz des Songwritings: Musik und Text werden gemeinsam geschrieben, Gesangslinien per Call and Response aufgenommen und dann gemeinsam harmonisiert. Heraus kommen dabei verträumte Power-Pop Songs wie „Sun Come And Golden“ – beispielhaft für die erstaunlich Ego-freie Zone, die sich Flasher geschaffen haben.

Der Glaube an das Kollektiv, der sich durch den musikalischen Schaffensprozess zieht, findet sich auch in den Themen wieder, die das Trio auf „Constant Image“ behandelt. Für die aktuell unschönen gesellschaftlichen Auswüchse in den USA wie wachsende Homo-/Queerphobie oder der allgemeine Struggle mit dem spätkapitalistischen System haben Flasher folgenden Lösungsansatz parat: Den Rückzug ins Private oder das Schaffen von Safe Spaces, die es einem erlauben, den Alltag wohlbehaltener zu überstehen.

Auf Albumlänge liefern Flasher durchweg hymnischen Post-Punk, der zeitweise stark in Richtung Power-Pop schielt, aber manchmal den ein oder anderen genreüblichen Haken vermissen lässt. Songs wie der Shoegazer „Pushing Up“ oder die Single „Skim Milk“ sind Stücke mit Ohrwurmpotential, denen zu Lasten der Griffigkeit meist ein Refrain mehr zugemutet worden ist, als unbedingt notwendig gewesen wäre. Der Grundkurs „Schnodderigkeit & Agitation“ an der Washingtoner Punk-VHS hätte der Platte sicher gutgetan. Davon einmal abgesehen ist „Constant Image“ eine Ode an die Freunde, die einem auch in politisch turbulenten Zeiten Halt geben, ein Debütalbum zwischen Triumph und Trübsal.

Veröffentlichung: 8. Juni 2018
Label: Domino

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