Karen O & Danger Mouse – „Lux Prima“ (Rezension)

Cover des Albums „Lux Prima“ von Karen O & Danger Mouse (BMG)

Karen O & Danger Mouse – „Lux Prima“ (BMG)

6,0

Karen O und Danger Mouse sind zwei KünstlerInnen an ziemlich bequemen Karriere-Punkten. Erstere war eine der Haupt-Akteurinnen des Garage-Rock-Revivals, die als Sängerin von Yeah Yeah Yeahs in den 00er-Jahren Gitarren-Musik wieder frisch und gefährlich wirken ließ. Acht Jahre sind seit dem letzten Album ihrer Band vergangen, die Zeit füllte sie mit einem Soloalbum und diversen Gastauftritten.

Letzterer, bürgerlich bekannt unter dem Namen Brian Burton, ist einer der vielbeschäftigsten Produzenten des 21. Jahrhunderts, der mit Gnarls Barkley Retro-Soul in die Pop-Charts brachte und mit seiner knochentrockenen Produktion die Musik von so unterschiedlichen Acts wie A$AP Rocky, U2 oder Parquet Courts veredelt.

Die künstlerischen Höhepunkte von beiden Karen O und Danger Mouse sind schon ein paar Jahre her. Mittlerweile können sie sich aussuchen, mit wem sie zusammenarbeiten und einfach machen, worauf sie Lust haben. Weder O noch Burton müssen irgendjemandem etwas beweisen. Dennoch fühlt sich ihr neues gemeinsames Album „Lux Prima“ danach an, als müssten sie genau das.

Es groovt, es fließt, es plätschert

„Lux Prima“ beginnt mit dem Titeltrack, einer langgliedrigen Sinfonie. Und die ist ziemlich großartig. In neun Minuten reisen O und Burton von einem Synth-Pop-Intro in astralste Space-Pop-Galaxien, nur um schließlich in einem glamorösen R&B-Refrain zu enden. O versucht gar nicht erst, das Feuer ihrer Yeah-Yeah-Yeahs-Zeit zu entfachen, sondern kanalisiert stattdessen eine leichtfüßige Eleganz. Jede Idee geht fließend in die nächste über, jeder Beat-Wechsel, jede 90-Grad-Wendung ist eine logische Fortführung. Man fühlt sie wie ein Astronaut, der schwerelos von einem spannenden Planetenausblick zum nächsten treibt.

Würden O und Burton diese Mischung aus R&B-Eleganz und Space-Esotherik einfach auf Albumlänge fortführen, dann wäre „Lux Prima“ wahrscheinlich ein angenehmes, bequemes Album geworden. Doch die beiden wollen mehr als das. Und schießen dabei auch über das Ziel hinaus: „Turn The Light“ ist ein lebloses 70s-Funk-Throwback, nur wenige Stufen von Mark Ronson und Bruno Mars entfernt. Die von schmierigen Streichern umgarnte Ballade „Drown“ plätschert von sich selbst gelangweilt vor sich hin. Und „Woman“, der nach dem Titeltrack spannendste Song des Albums, baut eine Wall-Of-Sound im Stile von Phil Spectors Girl-Group-Produktionen auf und lässt O den aggressivsten Gesang des Albums darübersingen – eine gute Idee, die aber am schwammigen Sound und richtungslosen Songwriting scheitert. Das Stück stagniert auf einem Energie-Level, hat zwar Wumms, aber keinen Höhepunkt – und ist irgendwann einfach vorbei.

Und dann versuchen Karen O & Danger Mouse am Ende noch eine zweite Space-Pop-Sinfonie im Stile des Titelstücks draufzusetzen. „Nox Lumina“ könnte mit seinen HipHop-Texturen in Kombination mit „Lux Prima“ ein interessanter Kontrapunkt sein. Die gleichzeitig ambitionierte und plätschernde Musik dazwischen verhindert das jedoch. Was bleibt ist ein Album mit vielen guten Ideen, das aber keinen von beiden SchöpferInnen gerecht wird. Selbst in ihren Spätphasen kann man mehr von diesen eigentlich sehr tollen KünstlerInnen erwarten.

Veröffentlichung: 15. März 2019
Label: BMG

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