
Buscabulla – „Se Amaba Así“ (Domino Records)
„Regresa“, das erste Album des Duos Buscabulla, hatte ein großes Problem – das Datum seiner Veröffentlichung. Denn es erschien im Mai 2020. Das puerto-ricanische Paar hatte sich zuvor mit zwei EPs (mit prominenten Unterstützern wie Devonté Hynes aka Blood Orange und Helado Negro) einen Namen als das Next Big Thing der lateinamerikanischen Pop-Musik erspielt. Doch das Release inmitten eines globalen Lockdowns nahm der LP ein bisschen den Wind aus den Segeln. Spielen Luis Alfredo Del Valle und Raquel Berrios doch Musik, die besonders im Draußen Sinn ergibt: eine anschmiegsame Mischung aus Salsa, Disco und R&B. Diese so intime wie kollektive Musik konnten Buscabulla erst ein Jahr nach Veröffentlichung auf die Bühne bringen – und kehrten ausgebrannt und hoffnungslos zurück.
Doch dann trat Bad Bunny in das Leben der beiden. Der ebenfalls aus Puerto Rico stammende Latin-Pop/Rap-Überflieger erkannte Buscabulla als die Stars, die sie eigentlich sein sollten – und lud sie ein, an seinem Chartstürmer-Album „Un Verano Sin Ti“ (2022) mitzuwirken. Ihre eine halbe Milliarde Streams schwere Zusammenarbeit „Andrea“ brachte Del Valle und Berrios die Motivation, um weiterzumachen. 2024 veröffentlichten sie mit der Stand-Alone-Single „11:11“ ihren ersten Song seit „Regresa“ – und nun folgt die zweite LP „Se Amaba Así“.
Beim gegenseitigen Bewundern zuhören
Um das Treffen wichtiger Entscheidungen geht es auch direkt im Opener „El Camino“: „Escoge tu camino / Que ya no quiero adivinar lo que quiere el destino“ (in etwa: „Wähle Deinen Weg / Ich will nicht länger erraten, was das Schicksal will“) singt Berrios über einer treibenden Disco-Bassdrum und warmen Akustikgitarren – und meint damit mehr als nur den Entschluss, weiter Musik zu machen. Del Valle und Berrios – nicht nur ein Paar in der Kunst, sondern auch im Leben – reflektieren auf „Se Amaba Así“ ihre eigene kreative und persönliche Beziehung. Der Albumtitel, der frei übersetzt „Die Art, wie die Liebe einst war“ bedeutet, deutet die Intimität dieser zehn neuen Songs an.
Auch für Nicht-Muttersprachler*innen ist diese direkt spürbar. Im sanften Triangel-Groove der Synth-Pop-Rumba „Divino Tesoro“ („Göttlicher Schatz“) oder in der von Del Valle mit gehauchter Stimme gesungenen Engtanz-Ballade „El Empuje“. In der zwischen funky R&B und sphärischen Avant-Pop oszillierenden Single „Te Fuiste“ und den cremigen Fuzz-Gitarren-Licks von „Mortal“. Berrios und Del Valle wechseln sich am Mikro ab, geben beiden Perspektiven ihrer Beziehung Raum. Das könnte wie Paartherapie wirken, funktioniert aber ganz anders: Wir hören hier zwei Menschen dabei zu, wie sie sich gegenseitig bewundern. Und diese Zuneigung ist ansteckend.
Veröffentlichung: 13. Juni 2025
Label: Domino Records
