Sharon Jones & The Dap-Kings – „Soul Of A Woman“ (Album der Woche)

Soul Of A Woman von Sharon Jones & The Dap-KingsSharon Jones & The Dap-Kings – „Soul Of A Woman“ (Daptone Records)

Am 18. November 2016 hat die Welt eine ihrer größten Stimmen verloren: Sharon Jones. Vor genau einem Jahr starb die US-amerikanische Sängerin an Krebs. Dabei scheint sie zum Ende eines verstanden zu haben: Das beste Mittel gegen Tränen ist Lachen. Und so fordert uns die furchtlose Königin des Retro-Souls auf dem posthumen Album „Soul Of A Woman“ ein letztes Mal zum Tanz auf.

Schon der Opener „Matter Of Time“ insistiert mit seinem beschwingt geshuffleten Beat und seinen unwiderstehlichen „Oh Yeahs“ auf kathartische gute Laune. Die Botschaft ist klar: Wenn Sharon Jones schon von dieser Erde gehen soll, dann aber mit einer exzessiven Party. Jones hat auch im Alter von 60 Jahren noch nichts von ihrem Feuer verloren und lächelt mit der Autorität einer Hohepriesterin dem bevorstehendem jüngsten Gericht strahlend entgegen: „It‘s a matter of time / Till justice will come.“

Die komplette A-Seite von „Soul Of A Woman“ demonstriert mit voller Kraft die übersprudelnde Energie von Sharon Jones: Auf Songs wie dem bläserlastigen „Sail On“ oder dem frech groovenden „Rumors“ klingt sie strahlend und kraftvoll wie die junge Aretha Franklin. Die Dap-Kings, ihre langjährige Begleitband, mit der der New Yorkerin 2002 der internationale Durchbruch gelang, sind dabei so tight wie eh und je und geben Jones angemessen viel Platz für ihre Stimme. Hinter dem knisternd warmen Klang des Albums steckt viel Liebe zum Detail: Produzent und Dap-Kings-Bassist Bosco Mann hat die elf Songs in bester Retro-Manier auf Achtspurband gebannt.

Auf der zweiten Seite des Albums zeigen Sharon Jones & The Dap-Kings noch ein paar neue Facetten: „Searching For A New Day“ erinnert an den cineastischen Funk von Curtis Mayfields „Superfly“ und „These Tears (No Longer For You)“ kommt als berührende Dub-Soul-Ballade daher. Das absolute Highlight kommt jedoch kurz vor Schluss: „Girl! (You Got To Forgive Him)“ ist ein irrwitziges Stück Musik, irgendwo zwischen höchsten Space-Rock-Sphären und Shirley-Bassey-Grandeur – das die Frage aufwirft, warum Jones eigentlich nie einen James-Bond-Song aufnehmen durfte.

Es folgt der kontemplative Gospel „Call On God“, auf dem Jones noch einmal das gesamte Spektrum ihrer Stimme ausreizt – und plötzlich ist das Album vorbei. So tanzt man auf „Soul Of A Woman“ mit einem weinenden und einem lachenden Auge zum letzten Mal mit der großen Diva Sharon Jones.

Veröffentlichung: 17. November 2017
Label: Daptone Records



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