Weyes Blood – „And In The Darkness, Hearts Aglow“ (Album der Woche)

Cover des Albums „And In The Darkness, Hearts Aglow“ von Weyes Blood, das unser ByteFM Album der Woche ist.

Weyes Blood – „And In The Darkness, Hearts Aglow“ (Sub Pop)

Die Welt ist am Arsch: Kriege, Pandemie, Klimawandel, technologische Ermüdung, Algorithmen, die über uns und unser Leben bestimmen, Isolation, soziale Ungerechtigkeit … Willkommen im 21. Jahrhundert! Weyes Blood beschreibt den Status quo der westlichen Welt so: „Unsere Kultur stützt sich immer weniger auf Menschen. Etwas ist weg, und obwohl das Gefühl bei jedem Menschen individuell ist, ist es doch universell.“
Diese Beobachtung ist es, die den Unterbau für das neue Album der Musikerin bildet, das so etwas wie der Soundtrack zur Katastrophe ist, in der wir uns längst befinden. Und das danach fragt, wie Menschen wieder zueinander finden können.

Die Magie der Pop-Musik

Natalie Mering, wie die kalifornische Musikerin bürgerlich heißt, startete ihre Laufbahn im musikalischen Untergrund, als Teil des Post-Rock-Noise-Kollektivs Jackie-O Motherfucker. Bis sie sich zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts entschloss, unter dem Namen Weyes Blood Musik zu machen. Der bisherige Höhepunkt war „Titanic Rising“ aus dem Jahr 2019, ein titanischer Art-Pop-Blockbuster, gefüllt mit opulenten Streichern und Synthesizern. Ein Ausblick auf die nahende Katastrophe.

Den dichten und erhabenen Sound versucht Mering auf dem nun erschienenen Nachfolger gar nicht erst zu toppen. Stattdessen ist „And In The Darkness, Hearts Aglow“, das den zweiten Teil einer Album-Trilogie markiert, eine etwas verhaltenere Angelegenheit. Thematisch befinden wir uns jedoch in einem apokalyptischen Szenario, an einem Scheidepunkt, wenn man will. Der Kollaps steht kurz bevor. Es geht um die Entfremdung des Menschen im digitalen Zeitalter und okölogische Krisen. Doch wenn wir zusammenhalten, können wir die Dunkelheit überwinden – das ist die Hoffnung, die dieses Album verströmt.

Die Musik dazu klingt zum Glück alles andere als pathetisch, sondern überaus fokussiert. Beim ersten Hören erwecken die Songs noch den Eindruck, als würde man im Shuffle-Modus durch eine Best-of-Playlist der 60er und 70er skippen. „It’s Not Just Me, It’s Everybody“ eröffnet die LP mit nostalgischen Harmonien und Harfen-Arrangements, die auch von Burt Bacharach stammen könnten – genau wie die Glocken von „Children Of The Empire“. „Grapevine“ ist Folk-Pop in bester Laurel-Canyon-Tradition, während „Hearts Aglow“ auch als ein Carpenters-Song durchgehen könnte. „God Turn Me Into A Flower“ beginnt mit Merings einsamer Alt-Stimme, über einem sanft plätschernden Synthesizer. Der Song endet schließlich in einem Meer aus Streichern und wortlosem Gesang. Wer die Magie von Pop-Musik in ihrer Reinform spüren möchte und die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben hat, muss dieses Album hören.

Veröffentlichung: 18. November 2022
Label: Sub Pop

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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