Cory Hanson – „I Love People“ (Album der Woche)

Von ByteFM Redaktion, 28. Juli 2025

Cover des Albums „I Love People“ von Cory Hanson

Cory Hanson – „I Love People“ (Drag City)

Liest man ausschließlich die Texte von Cory Hanson, könnte man meinen, man hätte es hier mit Industrial-Metal zu tun. „I got sadness in my skull“, singt der US-Singer-Songwriter im ersten Song seines neuen Albums – und weiter: „And I’m only kind to strangers / They’re the only people I don’t know“. „Every step you take / Is one foot into the grave“, heißt es ähnlich nihilistisch und misanthropisch in „Bad Miracles“. Körperflüssigkeiten hatten schon immer ihren Platz in der lyrischen Welt des Kaliforniers – schließlich hieß sein voriges Soloalbum „Western Cum“ – doch in „Final Frontier“ wird es richtig bildlich: „They hang you upside down from your dick / And bleed you out like a stuck pig“.

Doch „I Love People“, das im Kontext der Lyrik wunderbar zynisch betitelte vierte Solowerk von Hanson, ist kein edgy Gedichtband, sondern ein Pop-Album – und das bedeutet, dass wir auch die Musik hören müssen. Und die erzählt eine ganz andere Geschichte. Von goldenen Stränden, sternenklaren Nächten und der endlose Freiheit versprechenden nordamerikanischen Weite. In seiner Band Wand spielt Hanson stets krautig verschrobenen Psych-Rock, doch als Solomusiker gibt er sich auf jedem Album anders: „Western Cum“ war eine übersteuerte Southern-Rock-LP, der Vorgänger war die elektroakustische Country-Exkursion „Pale Horse Rider“. Doch dieses Mal widmet er sich ganz dem Great American Songbook: Hanson tauscht die Fuzz-Gitarre gegen die zwölfsaitige Akustische, die psychedelischen Synths gegen Orchester und Chor. Auf „I Love People“ mischt er Brill-Building-Balladen aus der Burt-Bacharach-Schule mit West-Coast-Jazz-Pop à la Joni Mitchell. So romantisch klang Hanson noch nie.

Liebesbrief an alle Loser und Weirdos

Wenn da nicht die Worte wären. Über diese glänzend goldene Musik präsentiert er eine ganze Parade von unliebsamen Aussteigern, von der Gesellschaft verstoßenen Außenseitern und finsteren Gestalten. In der zarten Piano-Ballade „Santa Claus Is Coming Back To Town“ kehrt nicht etwa der Weihnachtsmann, sondern ein vom Krieg in Afghanistan traumatisierter US-Soldat nach Hause zurück. Der moralisch sehr flexible Protagonist von „On The Rocks“ säuft mit dem Ku-Klux-Klan und springt liebestrunken in den nächsten Sonnenuntergang. In „Lou Reed“ verneigt sich Hanson vor dem titelgebenden König der Außenseiter – mit fast schon klebrig-kitschigen Jazz-Pop-Klängen, die Reed wahrscheinlich gehasst (oder vielleicht genau deswegen geliebt) hätte.

Der Albumtitel „I Love People“ ist von Hanson übrigens überhaupt nicht zynisch gemeint. „Ich finde, wir – als Menschen – müssen Menschen lieben“, erklärte er in einem Interview. „Ich höre so oft ‚Ich hasse Menschen‘, oder ‚Menschen sind so schlimm‘. Wie kann man nur so was sagen?“ Der Kontrast zwischen den mitunter pechschwarzen Texten und der strahlenden Musik dieses Albums ist keine Dissonanz – Hanson hat für all seine Protagonist*innen tiefe Sympathie – oder wenigstens Empathie. „I Love People“ ist ein Liebesbrief an alle Loser und Weirdos!

Veröffentlichung: 25. Juli 2025
Label: Drag City

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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Diskussionen

1 Kommentare
  1. posted by
    Günter Platte
    Jan. 13, 2026 Reply

    Ist dies hier der richtige Platz, um sich für die Gästelistenplätze zu bewerben? Wenn ja, würde ich mich riesig freuen über Tickets für das Konzert in Berlin.

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