Juana Molina – „Halo“ (Album der Woche)

Cover des Albums Halo von Juana MolinaJuana Molina – „Halo“ (Crammed Discs)

Veröffentlichung: 5. Mai 2017
Web: juanamolina.com
Label: Crammed Discs

Vom Cover ihres neuen Albums „Halo“ blickt uns Juana Molina von einem Knochen aus an. Ihre Augen blitzen uns an – das Gebein ist lebendig. So wie die unruhigen Knochen von nicht rechtmäßig Begrabenen, die der in Argentinien und Uruguay verbreiteten Legende nach der Grund für Irrlichter sind. Diffuse Lichtpunkte, die nah am Boden auftauchen und hin- und herhuschen.

Flexible Grenzen und das Schwer-zu-greifen-sein ist auch Juana Molina eigen. Die argentinische Musikerin ließ sich noch nie in eine Schublade stecken. Als Fünfjährige hatte sie bereits 45 000 Singles verkauft – von einem Duett mit ihrem Vater, dem bekannten Tangomusiker Horacio Molina –, nach der Schule studierte Molina aber erst mal Architektur und erlangte parallel als Komikerin im argentinischen Fernsehen Berühmtheit. Doch die Musik eroberte sie sich zurück und so erschien 1996 Juana Molinas Debütalbum „Rara“.

Ihre Songs streifen seit 20 Jahren argentinische und uruguayische Folk-Musik, Indie-Rock und experimentell Elektronisches. Molina setzt immer wieder neue Akzente, auch mit „Halo“. Manche Songs sind ein mystisches Hauchen, geheimnisvoll zerbrechliche Schlaflieder aus Ambientklängen („Lentísimo Halo“, „Cálculos Y Oráculos“). Andere fröhlich-simpler Rock ’n’ Roll, der beim zweiten Hinhören doch ziemlich komplex und schwindelerregend ist („Cosoco“, „Estalacticas“).

Muster aus Tropicália und Psychedelic Rock mischt Molina mit in „Halo“ ein. Die ersten Takte ihrer Songs bezirzen und bezaubern und je weiter sie fortschreiten, umso mehr verliert man sich in Molinas Kompositionen. Sie sind wie Irrlichter – gleichsam schön anzusehen und unheimlich. „Halo“ klingt nicht ganz von dieser Welt und schwer faszinierend.

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