Neue Platten: CSS – „La Liberación“

Von kathy

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? Die Designerinnen Lovefoxxx und Carolina, die Filmstudentin Ana, Kunststudentin Luiza sowie ihr Kommilitone Adriano Cintra, der sowohl das Debüt als auch „La Liberación“ produzierte, sind CSS aus Saõ Paulo. Der Name wurde durch Beyoncé inspiriert, die in einem Interview mal sagte, sie sei „tired of being sexy!“. Übersetzt man dies ins Portugiesische, bekommt man „Cansei de Ser Sexy“- kurz CSS. 2006 tanzten die Massen im New-Rave-Rausch mit Knicklichtern ums Handgelenk, die Faust in die Luft gestreckt zu ihrem „Let’s Make Love And Listen To Death From Above“ von ihrem selbstbetitelten Album, auf Sub Pop veröffentlicht. Ein iPod-Werbespot mit ihrem Song „Music Is My Hot, Hot Sex“ bescherte ihnen weltweite Popularität, Künstlerkollegen bemerkten die Band und es ging auf Tour mit Diplo, Bondo Do Role, Ladytron oder Gwen Stefani. Das zweite Album, „Donkey“, ging etwas unter. Nun erscheint das dritte Album mit dem bezeichnenden Titel „La Liberación“.

Was? „Feed The Beat Of My Heart“ fiept es da in bester Captain-Future-Marnier: „I love You“ singt Lovefoxxx, eine verstellte Stimme antwortet „I love You, too!“ und irgendwie klingt alles so wie 2006. Die Synthesizer quietschen, der Bass wummert. Wo gibt’s noch mal diese Knicklichter? Doch wieder Neon-Shirts aus dem Keller kramen? Der Fuß wippt mit, aber erstmal abwarten. „The rain is falling on my head, bring thoughts I’ve never had, like love and shit“ – Poesie geht anders. „Hits Me Like A Rock“ startet verhaltener, der Fuß hält still. Bobby Gillespie von Primal Scream hat seine Stimme für den Refrain geliehen, das gefällt. Ein guter alter Bekannter. Aus dem Riot Grrrl ist ein City Grrl geworden: „Don’t live your life girl… unless it’s just like a movie“, heißt es da. Ist das Lady Gaga? Heutzutage vielleicht nicht die schlechteste Assoziation, die man schaffen kann. „Echo of Love“ hat Ohrwurmqualität. Schön, dass es auch mal gegenwärtiger klingt. Wenn doch Sommer wäre, dann würde man bei dem Song gerne im Auto rum fahren, Fenster runter, Arm raus und laut mitsingen. Zwischendurch ein wenig schämen und kichern, dass es Spaß bringt. Und da, mit dem Song „La Liberación“, da kommen sie: Gitarren. Das tut irgendwie gut! Auch „Partners In Crime“ ist schon deshalb schön, weil es eben nicht nach New Rave klingt. Stattdessen wird ordentlich in die Klaviertasten gehauen. „Rhythm To The Rebels“, „Red Alert“ und „Fuck Everything“ bilden einen gekonnten Ausklang und zeigen eine glückliche Weiterentwicklung.

Warum? Die anfängliche Angst, es könnte sich hier um ein Wiederbelebung des New Rave-Hypes handeln, wird glücklicherweise zerschlagen. Neon darf im Keller bleiben. Die ersten Songs fallen im Gegensatz zu dem Rest des Albums doch aber ab. Lady Lovefoxxx kommt am Ende von „Fuck Everything“ noch einmal selbst zu Wort und erklärt:“Hi, my name is Lovefoxxx and i’m 12 years old. I like going to the pub with the gays, I like buying pencils and pants and I like cookies.“ „Fuck Everything“: CSS ist einfach komplett egal, was die anderen denken und das klingt in dem Fall auch noch erfrischend. „Fuck Everything“: und alle singen im Chor mit, auch ohne Knicklicht. Kurzweilig, aber auch ein klein wenig langweilig.

Label: Cooperative Music | Kaufen

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Rave News
    Aug 17, 2011 Reply

    News aus der Rave-Kultur…

    Neue Platten: CSS ? La Liberaci?n : ByteFM Magazin…

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