Neue Platten: Owen – „Ghost Town“

(Polyvinyl)

6,8

Die Rezension dieser Platte stellt den Autor auf eine harte Probe. Er kann sich nicht recht entscheiden, ob er sie gut findet oder nicht, was für den Text aber unabdingbar erscheint. Denn eine rein sachliche Abhandlung, welche die Fakten aneinander reiht, will er ja auch nicht schreiben. Aber vielleicht fangen wir damit mal an: Hinter Owen steckt Mike Kinsella, ein alter Bekannter aus der Chicagoer Indie-Szene. Er hat in verschiedensten Bands aus Illinois meist gemeinsam mit seinem Bruder Tim mitgewirkt – u.a. bei American Football, Cap’n Jazz und Joan Of Arc. Seit 2001 veröffentlicht er mit seinem Soloprojekt Owen in regelmäßigen Abständen Platten.

„Ghost Town“ ist sein mittlerweile sechstes Album und sicherlich ein in sich geschlossenes Gebilde. In einem gut abgesteckten Rahmen einer melancholisch-kontemplativen Nachdenklichkeit bedient sich Mike Kinsella zahlreicher Instrumente und Spielarten, um diese Stimmung auch so authentisch wie möglich zu vermitteln. Für die dramatischen Elemente sorgen Streicher, für die verspielten die Klavierparts und für die verzweifelten Momente wird die elektrische Gitarre ausgepackt und ordentlich verzerrt. Darüber legt sich Kinsellas Stimme, die sich meist bewusst zurücknimmt, aber gerade dadurch manchmal in die Pathos- und Selbstmitleidsfalle tappt.

Im Prinzip ist alles gut eingesetzt und wohl portioniert. Es passt beinahe alles perfekt zusammen auf „Ghost Town“, aber es fehlt der gelegentliche Bruch, der einen aufschrecken lässt. Weil sonst laufen die neun Songs an einem vorbei, ohne dass man sie tatsächlich wahrnimmt. Was schade wäre, denn unter ihnen finden sich einige richtig gute wie beispielsweise „O, Evelyn…“, eine berührende Liebeserklärung an seine kleine Tochter, oder „No Language“, welches durchaus auch auf einer Platte von Death Cab For Cutie gefunden werden könnte.

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