Neue Platten: Yeasayer – "Fragrant World"

Von claudiawohlsperger, 15. August 2012

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9,0

Hände klatschen. Bässe wummern. Dann der Synthesizer, kurz darauf der Gesang von Chris Keating. Darauf haben wir gewartet! „Fragrant World“, das neue Yeasayer-Album, started mit „Fingers Never Bleed“, mit sofortigem Füße- und Kopfwippen.

Zwei Jahre ist es her, dass Yeasayer uns mit „Odd Blood“ den Kopf verdreht haben. Damals hatte sich schon der feste Drummer von der Band verabschiedet. Auf „Fragrant World“ haben sich auch die Gitarren verabschiedet. Das Ergebnis: Die neue Platte klingt ganz anders. Nicht mehr nach 90er-Dancemusic, sondern nach Zukunftsmusik. „I know what is expected here“, singt Chris Keating in „Folk Hero Shtick“. Selbstbewusst gehen Keating, Anand Wilder und Ira Wolf Tuton an diese Erwartungen heran, und erschaffen keine Platte, die so klingt wie „Odd Blood“, sondern gleich eine ganz neue Welt. In dieser neuen Welt gibt es nur Synthesizer, Drumcomputer und viele bunte Effekte, und es ist eine Welt, in der das auch noch gut klingt.

Das amerikanische NPR hat über „Fragrant World“ geschrieben, es sei „verspielte Party-Musik für besorgte Gemüter und die unsichere Zukunft“, und dem kann ich zustimmen. Dass sich Yeasayer mit der Zukunft, der Wissenschaft und der Welt, wie sie sein könnte, auseinandersetzen, merkt man schon an den Songtiteln. „No Bones“, „Reagan’s Skeleton“ und „Glass Of The Microscope“, nicht zu vergessen die erste Single-Auskopplung „Henrietta“. Der Instant-Ohrwurm („We can live forever, Henrietta“) hat Henrietta Lacks, deren Zellen (die HeLa-Zellen) seit 1951 quasi unsterblich sind, schlagartig auch außerhalb von Medizinfakultäten berühmt gemacht. Das also ist die Basis des Albums. Das Ganze klingt mal episch mit wummernden Bässen, mal verspielt, zartbitter und mal außerirdisch und ganz oft nach allem zusammen.

„No Bones“ setzt als zweites Lied auf dem Album gleich Akzente. Die wabernden Bässe, die Töne von rechts, links, oben und unten drängen die Aussage fast auf, dass diesem Lied das Knochengerüst fehlt, und dennoch ist hier alles stimmig und strukturiert. Mit wie viel Fingerspitzengefühl „Fragrant World“ zusammengebastelt, Effekte ausprobiert, verworfen, eingefügt und geschichtet wurden, kann man auch wunderbar in „Longevity“ hören. Und spätestens bei „Blue Paper“ drängen sich Vergleiche mit Hot Chip auf. Das liegt an Anand Wilder, der den Gesang hier übernahm, aber auch an der musikalischen Stilsicherheit, mit der seine Stimme hier mit Drone-Synths und Beats verwoben wurde.

In was für einer Welt wollen wir leben? In der von Yeasayer. Wenn die düstere, unsichere, von unsterblichen Zellen beherrschte Zukunft kommen muss – oder schon Realität ist-, dann bitte mit den Melodien und saftig-satten Bässen von „Fragrant World“.

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