„Be ready to get confused“: „Debut“ von Björk wird 25 Jahre alt

„Debut“ von Björk wird 25 Jahre alt

Der Mensch, betrachtet aus der Perspektive des Nichtmenschlichen: Das erste Album von Björk wird 25 Jahre alt

Auch 25 Jahre nach ihrer Veröffentlichung wirkt Björks erste offizielle Solo-Single „Human Behaviour“ wie nicht von dieser Welt. Ein Song, der gleichzeitig nach malerischen Gletscherlandschaften und den heruntergekommenen Techno-Raves Detroits klingt. Ein Song, in dem orchestrale Bossa-Nova-Pauken auf außerirdische Gesangsharmonien treffen. Die Stimme bringt es mit einfachen Worten auf den Punkt: „Be ready to get confused“. Sei bereit, verwirrt zu werden. „Debut“, das Album, das von diesem Track eröffnet wird, wird am 5. Juli 2018 ein Vierteljahrhundert alt.

Der Titel „Debut“ ist dabei mehr metaphorisch gemeint als faktisch korrekt: Im Jahr 1977 veröffentlichte Björk ihr offizielles Debüt unter eigenem Namen, auf dem sie unter Anleitung ihres Stiefvaters Sævar englische Pop-Songs auf isländisch coverte. Damals war sie elf Jahre alt. „Debut“ markiert weniger ihren musikalischen Anfangspunkt als den Moment, an dem aus Björk Guðmundsdóttir die Künstlerin Björk wurde.

Zusammen mit dem ikonischen Musikvideo von Michel Gondry droht „Human Behaviour“, die anderen Songs dieses Albums zu überschatten. Dabei ist „Debut“ noch viel mehr: Es war ein Befreiungsschlag der eigenständigen Künstlerin Björk, mit dem sie sich von den Fesseln der Gitarrenmusik löste, die sie noch ein Jahr zuvor in ihrer Band The Sugarcubes festzurrten. Mit diesen zwölf Tracks öffnete sie ihren Sound in Richtung Electronica und Trip-Hop – die Musik, die nachts aus den Clubs ihrer neuen Wahlheimat London schallte. Songs wie „Crying“ und „Violently Happy“ bewegen sich im pulsierenden Four-To-The-Floor-Groove des Chicago-House – weiter entfernt konnte sie vom schrammeligen Avant-Punk ihrer Vorgänger-Band nicht sein.

Weltfremde Esoterik und greifbare Emotionen

Neben ihrer Affinität für elektronische Musik konnte Björk mit „Debut“ auch ihre Liebe für den Jazz ausleben: Gemeinsam mit der Harfenistin Corky Hale nahm sie eine eigenwillige Version des Standards „Like Someone In Love“ auf, während die abschließende Ballade „The Anchor Song“ ausschließlich von drei harmonierenden Saxofonen getragen wird – die auch durch das im schleppenden Tom-Waits-Tempo vorgetragene „Aeroplane“ wabern.

Von diesem Zeitpunkt an sollte Björk sich stets weigern, auf der Stelle zu treten. Bis heute ist jedes neue Album eine neue Welt aus bisher so noch nicht gehörten Klängen, mal mit mehr Erfolg (das herzzerreißend offene „Vulnicura“), mal mit weniger Erfolg (das hemmungslos überladene „Utopia“). Doch schon auf ihrem ersten Album hatte die isländische Künstlerin die Blaupause für ihre einzigartige Solo-Karriere perfektioniert: Die Mischung aus Natur und Maschine, aus weltfremder Esoterik und greifbaren Emotionen. Der Mensch, betrachtet aus der Perspektive des Nichtmenschlichen.

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