Big K.R.I.T. – „K.R.I.T. Iz Here“ (Rezension)

Cover des Albums „K.R.I.T. Iz Here“ von Big K.R.I.T.

Big K.R.I.T. – „K.R.I.T. Iz Here“ (Multi Alumni / BMG)

7,7

Wenn man schreibt, dass „K.R.I.T. Iz Here“ erst das vierte Album des Mississippi-Rappers ist, stimmt das nur halb. Genau genommen ist Justin Scott schon seit 2005 im Spiel und hat seitdem viele Projekte veröffentlicht, die zwar Mixtapes heißen, aber eigentlich Alben sind. Wichtig ist seine Diskografie seit Mai 2010: Mit seinem Tape „K.R.I.T. Wuz Here“ deutete Big K.R.I.T. an, wie moderner Südstaaten-Rap im Jahrzehnt nach UGK, Outkast und, naja, Crunk à la Lil Jon klingen könnte. Jetzt IST K.R.I.T. hier. Ein Statement, das den Kreis zu schließen versucht.

Sein letztes Album „4eva Is A Mighty Long Time“ aus dem Jahr 2017 war beinahe ein Epos. Ein Doppel-Album mit fast 85 Minuten Spielzeit – rückblickend aber mit umso weniger Minuten, die wirklich im Ohr blieben. Scotts neues Album kann man dagegen so weghören. Es ist vielleicht sein leichtestes Album seit „Return Of 4eva“ aus 2011. Stärke und gleichzeitig Schwäche des Albums ist die Vielseitigkeit. Stilistisch kommt viel zusammen, was nicht immer zusammenpasst. Musikalisch gibt’s zu Beginn wenig Kontinuität. Da will man fast schon ein vorschnelles Urteil über das Album fällen. Big K.R.I.T. kontert solche Gedanken mit gewohnt nachdenklichen Songwriter-Perlen wie beim Track „Believe“: „All the pastors in the churches talking to the Lord / Tell Him where we at / And the water ain’t pure and ain’t good for the drinking / Don’t fix me a plate if you know I can’t eat it / Seeing people dead on TV and social networks just fuck with my thinking / Scared I’ll die young with no children to hold / No one to leave what I owe.“

Südstaaten-Rap für die Seele

Ein Leitsatz des in Atlanta lebenden Rappers lautet: „If it don’t touch my soul, I can’t listen to it“. Diesem selbstauferlegten Maßstab wird K.R.I.T. oft gerecht – „K.R.I.T. Iz Here“ ist Südstaaten-Rap für die Seele. In einer politisch extrem aufgeheizten Zeit füttert dieses Album keinen Opferkult. Selbst im Blues bleibt Empowerment die Botschaft: „I was searching for God with a flashlight / On a dirt road, is this flash bright enough? / Does the flash light a love? / That I don’t have when I’m down, when I drown / And these solar panels collect my frowns / ‚I shine, I shine, my light / Please shine, please shine, for my sight“, heißt es in „High Beams“

Es sind solche Momente, in denen man sich fast wehmütig daran erinnert, dass Big K.R.I.T. dem „Freshman“-Jahrgang von 2011 angehört. Eine vom Rap-Magazin XXL jährlich formierte Topliste von Rap-Newcomern, die man auf dem Schirm haben sollte. Auf dem Cover sitzt der Rapper neben Kendrick Lamar, Meek Mill oder Mac Miller – das darf man durchaus als Gütesiegel verstehen. Heute, im Jahr 2019 ist aber auch klar: aus Big K.R.I.T. ist nicht der große Rapper mit Massenanziehungskraft geworden. Dass K.R.I.T. nie den Status der genannten Kollegen erreicht hat, ist irgendwie auch eine Geschichte des sich nie richtig wertgeschätzt fühlenden Südens. Dafür lebt Justin Scott seine Heimat. „Learned From Texas“ zum Beispiel ist Oldschool-Südstaaten-Rap in Chrom gegossen.

Ein bisschen überflüssiges Füllmaterial gibt dem Album teilweise das Gefühl einer losen Zusammenstellung. „I Made“ klingt zwar sehr zeitgemäß und K.R.I.T. flowt auch auf Club-Beats, aber vor allem der Feature-Part (Yella Beezy) macht den Track ziemlich unnötig. „Make It Easy“ ist ein Song, der klingt wie aus 2005 hervorgekramt. Kein schlechtes Stück, aber es passt nicht so ganz rein. Das Album atmet zwischen aller Moderne den Gospel und fühlt den Blues. Am intensivsten spürbar im Schlusspunkt „M.I.S.S.I.S.S.I.P.P.I.“ – ein Querschnitt durch den Südstaaten-Sound zwischen B.B. King und UGK. Ein beinahe zu guter Schlusspunkt für ein Album, das mit etwas weniger Abwechslung bestens ausgekommen wäre.

Veröffentlichung: 12. Juli 2019
Label: Multi Alumni

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